Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Die Entstehung des Yachtsports und des Regattasegelns

Das Jahr 1646 brachte für den 16 jährigen Kronprinzen Charles II von England die Reise ins Exil, während sein Vater von Schottland aus versuchte die Truppen Oliver Cromwells zu besiegen. Die Reise erfolgte mit einer Fregatte der Royal Navy über den Kanal zur Insel Jersey und nach Frankreich. In Den Haag  bekam er später Kontakt zu Cornelis de Graeff, Bürgermeister von Amsterdam, Diplomat und Staatsmann sowie Präsident der VOC, der Vereenigde Oostindische Compagnie. Bei Charles II endgültiger Rückkehr nach England 1660 erhielt er von der VOC ein kleines Schiff als Geschenk. Diese kleinen Segler nannte man in den Niederlanden Jagden. Die Mary, ein etwa 17m langer und 6m breiter Einmaster, war ein Typ der in der niederländischen Marine den Kurier- und Patrouillendienst versah. Mit zwei Vorsegeln, Fock und Klüver, einem Gaffel-Großsegel und einem Rahsegel als Topsegel getakelt, gefiel dem mittlerweile zum König gekrönten Charles II die Mary so gut, dass er den Schiffstyp in Englang nachbauen lies.

Am 01.10.1661 segelten Charles II mit seinem Schiff Catherine, gebaut von Christopher Pett, und sein Bruder James, Herzog von York, mit der Anne, gebaut von Peter Pett dem Bruder Christophers, auf der Themse. Man vereinbarte von Greenwich nach Gravesend und nach einer Unterbrechung von dort zurück zu segeln. Die Segelfahrt sollte in Gravesend unterbrochen werden, eine Wendemarke war nicht vorgesehen. Als Preis für den Sieger vereinbarten Charles II und sein Bruder 100 Pfund. Auf der ersten Teilstrecke, welche gegen den Wind zu segeln war, erwies sich die Anne als das schnellere Schiff. Der achterliche Wind auf dem Rückweg war vorteilhaft für die Catherine. Jeder der Brüder gewann eine Teilstrecke und somit wurde wohl ein Gewinn nicht ausgezahlt.

Sehr wahrscheinlich versuchten Menschen schon weit vorher herauszufinden, wer eine bestimmte Strecke mit einem Boot, sei es rudernd oder segelnd, schneller zurücklegen kann. Der große Unterschied ist, dass die Ereignisse des Oktober 1661 schriftlich festgehalten wurden. John Evelyns, ein Höfling und Gelehrter seiner Zeit, befand sich bei der Wettfahrt an Bord der Catherine und zeichnete die Ereignisse des Tages auf. Sicherlich waren auf beiden Seglern mehrere Menschen des Hofstaats als Mitreisende an Bord, denn die Fahrt wurde als ein angenehmer Zeitvertreib angesehen.

Der Regattagemeinde gilt dieser Tag als der Beginn ihres Segelsports, denn die Vergnügungsfahrt wird als erster historisch belegter Wettbewerb angesehen. Der Begriff Regatta setzte sich sehr bald als Bezeichnung für eine Bootswettfahrt durch, da das Wort regata im Italienischen für die Gondelwettfahrt in Venedig steht.

In der Folgezeit wurden die übrigen Adligen von der Begeisterung Charles II für Segelyachten mitgezogen und es entstanden einige dieser Schiffe. Nach Charles II Tod im Jahr 1685 wurden die vielen Schiffe an die Royal Navy ausgehändigt und der Eifer der Wettsegelei schien beendet. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden wieder Preise für Wettfahrten mit Segelschiffen ausgelobt. König George III, 1749 noch Prinz von Wales, setzte als erster einen Regattapreis für eine Wettfahrt von Greenwich zur Insel Nore vor der Ostküste von England und zurück aus. Diese Wettfahrt, welche mit 12 Yachten ausgetragen wurde, belebte die Beliebtheit des noch jungen Segelsports aufs Neue. Aber der Bruder George III, Henry, Herzog von Cumberland und Admiral der Royal Navy, war es der den Sport am Leben erhielt. Er war begeisterter Rennsegler und am 13.07.1775 fand eine von ihm initiierte Wettfahrt auf der Themse statt, bei der zum ersten Mal die beteiligten Segler Yachtanzüge trugen, eine bis heute lebendige Tradition. Dieses Rennen wurde jedes Jahr wiederholt und noch im Jahr 1775 gründete man den ersten Yachtclub Englands, genannt Cumberland Fleet.

Bereits 1720 wurde der Water Club of the Harbour of Cork in Irland, von einer Gruppe trinkfester Iren gegründet, welcher der älteste Segelclub der Welt ist und 1820 in Royal Cork Yacht Club umbenannt wurde. Dieser Club hielt aber sehr wahrscheinlich keine Wettfahrten sondern nur Paraden ab. Die Cumberland Fleet hielt ebenfalls Paraden auf dem Wasser ab, jedoch auch immer ein paar wenige Wettfahrten pro Jahr, die auf der Themse abgehalten wurden. Die Regatten der Cumberland Fleet hatte häufig eher den Charakter von Seegefechten als von Wettfahrten. Die Kapitäne trafen sich vor Beginn der Fahrt gewöhnlich im „Crown an[d] Anchor“, einer Kneipe. Hier wurden die Startpositionen ausgelost. Es gab keine offiziellen Regeln und daher versuchten die Kapitäne sich mit ihren Booten gegenseitig einfach abzudrängen. Häufig gab es Kollisionen und Havarien, was aber nicht wirklich störte.

Die aristokratischen Segelfreunde spotteten häufig über die kleinen Boote der Cumberland Fleet, deren Mitglieder oft zur Mittelklasse zählten. Die blaublütigen Segler, welche größere Boote besaßen, zog es mehr zu den Gewässern vor der Isle of Wight, etwa fünf Seemeilen südwestlich von Portsmouth. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde diese Ausflugsinsel zum beliebten Seglertreffpunkt. Das lag daran, dass die Insel nur mit dem Boot erreichbar war. Die Segler kamen jedes Jahr und frönten Ihrer Segelleidenschaft und man traf sich in Cowes, an der Nordküste der Insel, zum Essen.

Aus diesem Brauch heraus wurde am 01.06.1815 von dreißig bis vierzig Seglern in der „Thatched House Tavern“ in der St. James Street in London der Yacht Club, wie er schlicht genannt wurde, gegründet. Die Gründungsmitglieder, meist Marquesses, Earls, Viscounts, Barone und Baronets, legten fest, dass ein Mitgliedsanwärter mit zwei Gegenstimmen ausgeschlossen werden konnte. Exklusivität war für den Clubs schon damals äußerst wichtig. 1817 trat Prinz Georg dem Club bei. Man sah sich genötigt die Exklusivität weiter zu steigern indem bald die Größe der Yachten auf mindestens 20 Tonnen, später sogar 30 Tonnen festgelegt wurde. Eine offizielle Club Uniform, blaue Clubjacke und weiße Hosen, wurde eingeführt. Als 1820 aus dem Prinzen König Georg IV wurde, gab er dem vorgetragenen Wunsch des Clubs statt, sich in Royal Yacht Club umzubenennen.

Die Mitglieder veranstalteten ihre Regatten selber und setzen dabei Preise zwischen 500 und 1.000 Pfund aus. Der höchste Einsatz soll 1834 in einer Wettfahrt, über gut 220 Seemeilen um Eddystone Lighthouse herum, zwischen Lord Belfast und C.R.M. Talbot bei 50.000 Pfund gelegen haben.

Obwohl der Club Aufsicht bei diesen Wettfahrten führte, wurden erst ab 1826 eigene Regatten ausgeschrieben. In der Folge dieser Regatten entstand die bekannte und noch heute populäre Cowes Week. Erstmalig wurden eindeutige und noch heute gültige Regeln zum Wegerecht verabschiedet, um das bis dahin herrschende Durcheinander und Kollisionen zu vermeiden. Als Abschluss und Höhepunkt der jährlichen Wettfahrtwoche gilt der Regattaball und ein imposantes Feuerwerk.

Die Tradition des King’s Cup während der Cowes Week, ein Pokal im Wert von 100 Pfund, 1826 eingeführt, wurde weiterhin beibehalten. 1833 wurde aus dem Royal Yacht Club die Royal Yacht Squadron. König William IV versuchte die Regatten weiter zu verfeinern und gerechter auszutragen, indem er eine Handicap-Formel einführte, nach der die Yachten entsprechend ihrer Tonnage in verschiedenen Klassen eingeteilt wurden und bei ein und demselben Rennen die unterschiedlichen Klassen unterschiedlich lange Bahnen hatten. Dieses System ist der Vorläufer der verschiedenen Ausgleichsformeln, die später jeder Wettfahrtleitung Arbeit bescheren sollten.

Als Williams Nichte, Victoria, 1837 den englischen Thron bestieg, hatte sie schon lange Zeit im Sommer den Regatten auf der Isle of Wight beigewohnt. Sie setzte die Tradition der königlichen Schirmherrschaft der Cowes Week fort und wurde im ersten Jahr ihrer Regentschaft das erste weibliche Mitglied der Royal Yacht Squadron. Sie förderte den Yachtsport auf breiter Front, indem sie die Schirmherrin unter anderem des Royal Thames Yacht Clubs (der früheren Cumberland Fleet), des Royal London Yacht Clubs, des Royal Gibraltar Yacht Clubs, des Royal Eastern Yacht Clubs und des Royal Southern Yacht Clubs wurde.

Außerhalb des britischen Empires wurden Yacht Clubs in Schweden und im Jahre 1844 in New York gegründet. Die Mitglieder des New York Yacht Clubs wurden von den britischen Seglern eher belächelt und als amerikanische Emporkömmlinge betrachtet. Man war hoch erstaunt als 1851 die Yacht America, eine Yacht des New York Yacht Clubs, an den Regatten teilnehmen wollte. Der Earl of Wilton, Kommodore der Royal Yacht Squadron, lud allerdings den Kommodore des New York Yacht Clubs, John Cox Stevens, zur Wettfahrt ein. Die America gewann die Wettfahrt haushoch gegen eine Flotte von Booten der Royal Yacht Squadron. Man sollte die damalige Einladung noch 132 Jahre lang bedauern. Denn solange dauerte es, bis 1983 die australische Yacht Australia II den America’s Cup, wie er bald nach 1851 hieß, wieder in das Commonwealth heimbrachte.

 

Gero Hesse

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