Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Geschichte des Schiffbaus, der Werften und der Häfen

Die Geschichte des Schiffbaus, der Werften und der Häfen sind eng miteinander verknüpft: Häfen benötigen Schiffe, Schiffe benötigen Häfen und ohne den Schiffbau, der auf Werften stattfindet, gäbe es weder Häfen noch Schiffe.

Geschichte des Schiffbaus und der Werften

Unter Schiffbau fasst man
 
- die Ingenieurswissenschaft, die die Entwicklung von Schiffen vorantreibt und
- die spezifische Industrie, die Schiffe herstellt und repariert,
 
zusammen.
 
Die gesamte Geschichte des Schiffbaus lässt sich hier nicht darstellen, so dass an dieser Stelle allenfalls ein Anriss erfolgen kann:
 
Mit der Notwendigkeit, Wasserflächen zur Nahrungssuche überqueren zu müssen, wurden vom Menschen erste Wassertransportmittel erfunden. Es wird angenommen, dass vor mindestens 50.000 Jahren erste Wasserfahrzeuge entwickelt wurden, einige Forscher gehen sogar davon aus, dass der homo erectus bereits weitere Strecken auf dem Wasser zurückgelegt haben könnte.
Niederländischer Schiffbau im 17. Jahrhundert | Gemälde Öl auf Leinwand von Ludolf Bakhuizen, zwischen 1655 und 1660 gemalt *

Erste archäologisch nachweisbare Wasserfahrzeuge werden auf 6500 v.Chr. datiert, basierend auf Einbaum- und Paddelfunden. Anhand von Höhlen- zeichnungen in der Nubischen Wüste (Nordafrika) werden Wasserfahrzeuge mit Segeln auf 5000 v.Chr. datiert, während Modelle ägyptischer Schiffe bis ins Jahr 3500 v.Chr. zurückreichen.

Ebenfalls aus Ägypten stammt der derzeit älteste archäologische Schiffsfund eines Bestattungsschiffes (2650 v. Chr), der Rückschlüsse über eine ausgereifte Schiffsbaukunst zulässt. Ein Schiffsfund im chinesischen Yangshao belegt, dass auch Chinesen mindestens um 2000 v. Chr. in der Lage waren, seefähige Schiffe zu bauen.
 
So zieht sich der Schiffbau dann über die Antike, das Mittelalter, die Frühe und Späte Neuzeit bis in die Gegenwart und brachte verschiedene Phänotypen von Schiffen zu Tage, die den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit im Rahmen der damaligen technischen Möglichkeiten entsprachen und meistens dann im Laufe der Zeit durch technische Neuerungen und neue Bedürfnisse weiterentwickelt oder schließlich durch neue Schiffstypen ersetzt wurden.
 
So kamen und gingen Schiffstypen wie Trieren, Dromonen, Wikingerschiffe, Galeeren, Daus, Dschunken, Koggen, Karavellen und Naos.
Das Kielholen einer 44 Kanonen-Brigg auf einer Werft des 19. Jahrhunderts zur Untersuchung, Reinigung und Ausbesserung seiner Unterwasserteile | Diorama im Marinemuseum Venedig | Foto: Stephan Karraß

Die zunehmende Technisierung in der Renaissance und das Bedürfnis, den Seehandel nach Amerika oder Asien zu intensivieren und sich ggf. Vormacht-stellungen zu sichern, trieben auch den Schiffbau und seine Entwicklung weiter voran, zumal viele europäische Staaten auch anfingen, erste Kriegsmarinen aufzustellen.

Entwicklungen der Militärtechnik, etwa der Kanone, machten dann auch vor dem Schiffbau nicht Halt und mussten bei bestimmten Schiffstypen in den Schiffsrumpf integriert werden, so dass sich aus diesem Erfordernis heraus Stückpforten entwickelten, während der Handel andere Schwerpunkte setzte und Wert auf große Laderäume legte. Allerdings gab es auch Mischformen, so dass sich Handelsschiffe problemlos auch mit Kanonen bestücken ließen, um sich gegen Piraten und Feinde zur Wehr setzen zu können.
 
So kamen Karacken, Galeonen, Galeassen zum Bau, aber auch Ostindienfahrer und Fleuten, Korvetten, Sloops und letztlich auch die Linienschiffe.
In Europa fand der Schiffbau bis ins 19. Jahrhundert dabei überwiegend an Werften an Stränden statt und die Schiffe wurden meistens quer zur Fahrtrichtung am Ufer auf sogenannten Stapeln zusammengebaut, aber auch im tieferen Binnenland war abhängig von der Gewässertiefe Schiffbau vertreten.
Schiffbau in Deutschland: Die frühere Werft Johann Lange in Bremen-Vegesack mit der neu gebauten Brigg "Emmy" | Gemälde aus 1837 von unbekanntem Maler **

Erste Trockendocks sind spätestens seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts in China (Nanjing) gebaut worden, auf denen die für ihre Zeit außergewöhnlich  großen, bis zu 84 m langen chinesischen „Schatzschiffe“ gebaut worden sind.

 

In Europa ist 1495 in Portsmouth die Nutzung eines Trockendocks für den Schiffbau erwiesen, allerdings dauerte es mehrere Jahrhunderte, bis Trockendocks sich allgemein im europäischen Schiffbau durchsetzten.

 
Mit dem Einsetzen der  Industrialisierung gab es grundlegende und rasante Veränderungen, so wurde das über 3000 Jahre dominierende Schiffbaumaterial Holz insbesondere auf den Britischen Inseln langsam durch den Werkstoff Eisen ersetzt, der in Form von Platten mittels Nieten verbaut wurde.

 

Die ersten in Deutschland gefertigten seegehenden Eisenschiffe mit Propellerantrieb waren übrigens die "Großfürst Konstantin" und "Erbgroßherzog Friedrich Franz", die 1851 auf der heute noch existierenden Rostocker Neptun-Werft fertiggestellt wurden.
Das französische Schlachtschiff "Le Rodoutable" (Baujahr 1876) im Trockendock von Brest | Foto: Wikipedia ***

Mit der Industrialisierung wuchsen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die ersten Großwerften heran. Durch die Erfindung der Dampfmaschine überschlugen sich förmlich die schiffbaulichen Weiterentwicklungen, so dass Dampfschiffe mit der Zeit dann Segelschiffe ersetzten und das jahrhundertelang geprägte Hafenbild bestehend aus überwiegend Segelschiffstypen sich grundlegend änderte.

 
Der Wechsel von Niet- auf Schweißverfahren machte Schiffe schließlich leichter und hielt in Deutschland insbesondere beim Panzerschiffbau zwischen den beiden Weltkriegen Einzug. Erste Kooperationen mit Institutionen wie Schiffsbauversuchsanstalten waren erfolgreich und förderten Spitzentechnologie seiner Zeit zu Tage.
 
Nach beiden Weltkriegen setzte sich der Dieselantrieb und die zeitsparende Sektionsbauweise durch, Schlachtschiffe waren bereits durch Flugzeugträger ersetzt, U-Boote längst auf allen Weltmeeren vertreten und Stückgutfrachter wurden schließlich durch über 400m lange Containerschiffe ersetzt. Nischenmärkte wie Kreuzfahrtschiffbau erhielten Aufwind durch entsprechende Bedarfe und Technologieführer, ob militärisch oder ziviler Natur, konnten sich oftmals gegen die Konkurrenz durchsetzen.
 
Mit der 2008 aufgrund von prodizierten Überkapazitäten einsetzenden Schifffahrtskrise allerdings findet derzeit eine Konsolidierung der Schiffbaubranche statt. Die Presse spricht im Jahr 2017 davon, dass ein Drittel der weltweit 358 Werften an ihrem jeweils letzten Schiff arbeitet.
Die Tragweite der Krise ist somit recht substanziell, aber die finalen Folgen sind noch nicht absehbar.
 
 
Stephan Karraß

 

Schiffbau heute: Fregattenneubau im Schwimmdock in Hamburg | Foto: Stephan Karraß

Häfen

Ein Hafen ist ein an einer Meeresküste, an einem Flusslauf oder an einem See befindlicher Bereich, an dem Schiffe anlegen können. Er besteht meist aus einem Hafenbecken, Kais und Molen, es sei denn es werden natürliche Gegebenheiten genutzt, dann handelt es sich um einen Naturhafen.
Meistens ist an einen Hafen auch eine Infrastruktur angebunden, die dem Beladen, Löschen und Weitertransport von mit den Schiffen beförderten Gegenständen dient.
Hafen von Rhodos um 1490. Gut zu sehen die mit einer schweren Kette gesicherte Hafeneinfahrt und die Mühlenmole am Handelshafen | Zeichnung von 1490 ****

Man unterscheidet lagebezogen zwischen Binnenhäfen, Länden, Seehäfen, Tiefwasserhäfen und Tidewasserhäfen. Es gibt Handelshäfen, Passagierhäfen, Marinestützpunkte, Versorgungshäfen, Werften und Docks, Fischereihäfen, Frachthäfen, Bauhäfen, Not- bzw. Schutzhäfen und Auflieger-Häfen. 

 
Eine geschichtliche Betrachtung des Hafenbaus führt in die Zeit der Phönizier zurück, in der der Bau von künstlichen Häfen belegt ist. Im Übrigen waren sie es auch, die frühe Formen des Docks entwickelten, so dass Schiffe zu Wasser gelassen werden konnten.
Nach heutigen Erkenntnissen war der erste Hafen mit Steinmole der Hafen von Samos zur Zeit des Polykrates  (538 bis 522 v.Chr.). Weitere für damalige Verhältnisse riesige künstliche Häfen waren dann insbesondere im Mittelmeerraum vorzufinden (Karthago, Alexandria, Rhodos, Milet, Syrakus, Caesarea Maritima, Ostia Antica).
Größter Seehafen in Deutschland: Der Hamburger Hafen im Jahr 2017, geprägt von riesigen Schiffen und Containerterminals | Foto: Stephan Karraß

In Nordeuropa entstand die älteste nachgewiesene künstliche Schiffsanlagestelle unter römischer Herrschaft rund um Christi Geburt in Velsen für die römische Kriegsflotte. 350 n Chr. wurden auch am Rhein befestigte Flottenstützpunkte mit künstlichen Molen errichtet.

 
Um 670 entstand in Stade an der Elbe einer der ersten nachrömischen Häfen, um 800 der Hamburger Hafen ebenfalls an der Elbe.
Ältester künstlich errichteter Hafen in Deutschland ist der Vegesacker Hafen (1622/1623) in Bremen.

 

Stephan Karraß

* Foto vom Ölgemälde von Ludolf Bakhuizen "The Admirality's shipyard in Amsterdam" stammt aus den Wikipedia Commons und ist dort am 17.11.17 als gemeinfrei eingestuft, da der Autor 1708 gestorben ist

** Foto vom Gemälde der Vegesacker Werft stammt aus den Wikipedia Commons "File:Werft Johann Lange - Vegesack - 1837.jpg" und ist dort am 17.11.17 als gemeinfrei lizensiert, da der unbekannte Maler seit mehr als 100 Jahren tot ist

*** Foto "File:Redoutable-Neurdein img 3132.jpg" stammt aus den Wikipedia Commons und ist dort am 16.11.17 als gemeinfrei lizensiert worden. Das Bild wurde zur besseren Erkennbarkeit des Motivs modifiziert und auch umbenannt.

****Zeichnung " File:Rhodos1493.png" stammt aus den Wikipedia Commons und ist dort am 16.11.17 als gemeinfrei lizensiert worden.

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