Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Geschichte der maritimen Meteorologie

Wetterbeobachtung war schon früh bei der Landbevölkerung von maßgeblichem Interesse, war sie doch wichtige Grundlage für Bauern, den richtigen Zeitpunkt für das Ausbringen von Saatgut zu bestimmen und somit den Grundstein für eine erfolgreiche Ernte zu legen.
 
Wetter- und Strömungsbeobachtung und dessen spätere Erforschung waren und sind aber auch für die Schifffahrt enorm wichtig.
"Schiffe in Gefahr vor einer felsigen Küste" | Ölgemälde aus dem Jahr 1661 vom niederländischen Marinemaler Ludolf Bakhuizen, National Gallery of Art *

So konnte aus militärhistorischer Sicht eine zutreffende Prognose über die Windrichtung und Windstärke sowie Wasserströmung ausschlaggebend gewesen sein für den Ausgang eines Seegefechts: Die für die damalige koreanische Nation bedeutsame und militärhistorisch interessante Seeschlacht von Myongnyang im Jahr 1597, bei der eine winzige koreanische Flotte gegen eine japanische Übermacht siegte, indem sie die Feinde in eine Meerenge mit tückischen Strömungen lockte und hier den Vorteil eines zahlenmäßig hoch überlegenen Gegners neutralisieren konnte, ist ein Beispiel dafür, wie bedeutend meteorologische Kenntnisse bei Admirälen und Kapitänen der Kriegsmarinen sein können.

 
Ferner leitete die Entdeckung des amerikanischen Kontinents die Eroberung der Weltmeere und somit eine Zunahme des interkontinentalen Schiffsverkehrs ein und förderte im Umkehrschluss viele neue Erkenntnisse über bestimmte wiederkehrende Wetterphänomene (z.B. Passatwinde) und bestimmte Meeresströmungen zutage. Diese ließen sich analysieren und für die sichere und möglichst schnelle Fortbewegung eines Schiffes nutzen, da frachttragenden Segelschiffe aufgrund ihrer Segeleigenschaften teilweise nur bei bestimmten Windrichtungen und Wasserströmungen über Grund bewegt werden konnten.
Kersten-Miles-Brücke mit Gebäude der Deutschen Seewarte in Hamburg, Zentralanstalt zur Förderung der maritimen Meteorologie in Deutschland | Photochromdruck zwischen 1890 und 1905 **

Da Schiffsführer, Besatzungen und Reedereien grundsätzlich von der Auswertung von meteorologischen und ozeanografischen Daten in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Sicherheit profitierten würden, dauerte es dann auch nicht lange, bis diese wissenschaftlich erforscht wurden, was in Deutschland in der 1881 persönlich von Kaiser Wilhelm I. eingeweihten Norddeutschen Seewarte in Hamburg mündete. Deutsche Reeder wurden dabei zur Förderung der Seewarte verpflichtet und Kapitäne dieser Reedereien wurden angehalten, Informationen über Wind- und Wetterlagen, Strömungen und Reisefortschritt in Abhängigkeit ihrer jeweiligen Position zu sammeln, die von der Seewarte später ausgewertet wurden und Ihren Niederschlag in für die Seefahrt abrufbaren Routenempfehlungen fanden. Diese ermittelten Routen haben übrigens heutzutage immer noch Bestand.

Die Erforschung der maritimen Meteorologie hatte also die Förderung und Sicherheit des Seeverkehrs zum Ziel und war die Ausgangsbasis von naturwissenschaftlichem Denken im Zusammenhang mit der Navigation von Schiffen.

 

Stephan Karraß

 

* Das Bild von Ludolf Bakhuizen stammt von den Wikipedia Commons und ist dort am 08.11.17 unter dem Dateinamen "File:Ludolf Bakhuizen - Ships in Distress off a Rocky Coast - WGA01128.jpg" als gemeinfrei und ohne Copyright lizenziert. Nach deutschen Maßstäben ist der Künstler des Bildes über 70 Jahre tot, so dass es auch nach deutschem Recht gemeinfrei ist

** Der Fotochromdruck der Seewarte stammt von einem unbekannten Künstler und wurde von den Wikipedia Commons am 08.11.17 unter dem Namen "File:Kersten-Miles-Bruecke 1900.jpg"  herunergeladen. Das Bild ist dort zu diesem Zeitpunkt als gemeinfrei eingestuft worden.

Dieser Artikel basiert teilweise auf Basisinformationen aus dem Artikel "Meteorologie" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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