Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.

Die Geschichte der Marine-Luftschiffe und ein persönlicher Aufruf

Links nach Rechts: Zeppelin, Strasser und Eckener

Es ist der Bedarf aus eigenen Reihen geäußert worden, doch auch der Marine—Luftschifffahrt Beachtung zu schenken. Dem Interesse kommen wir gerne nach und laden alle Luftschiff-Enthusiasten ein, sich aktiv zu dem Thema einzubringen.
Schifffahrt wie Luftschifffahrt „Leichter als Luft“ haben vieles gemeinsam und da nimmt es nicht Wunder, dass sich sehr viele Luftschiffer aus der Christlichen Seefahrt rekrutierten.
Luftschiffer waren zu allen Zeiten freiwillig bei dieser Waffengattung, sie waren absolute Pioniere ihrer Zeit und Fachkräfte auf ihrem Gebiet. Mit der Ausbildung einer Fahr- oder Flugschule und anschließender Prüfung war es nicht getan. Das Fahren eines Luftschiffes war eine Kunst,  Fingerspitzengefühl bei Naturgewalten war gefragt.
Auf meteorologische wie nautische Kenntnisse wurde größter Wert gelegt. Das Luftschiff war extrem wetter- bzw. windempfindlich, was sich vor allem bei  Schwankungen der umgebenden Luft in Temperatur und Druck in Bezug auf die Traggaszellen auswirkte.
Wetterstationen gab es auf jedem Luftschiffhafen.  
Besonderen Ruf in der Marine-Luftschifffahrt genoss der als Ausbilder fungierende Hugo Eckener, von den Luftschiffern als Wetterpapst bezeichnet.
Er war der Auffassung, dass eine mindestens 4 jährige Erfahrung notwendig wäre, um ein Luftschiff kommandieren zu können. Das war in Kriegszeiten gar nicht einzuhalten, der Nachwuchs war nicht so schnell auszubilden, wie Mannschaften „vom Himmel geholt“ wurden.

 

Graf Zeppelin

Wie der Steuermann in der Schifffahrt arbeitete auch der Navigator der Lüfte mit dem gleichen Navigatonsbesteck, Mond und Sterne wiesen auch ihm den Weg, wenn die terristrische Navigation nicht möglich war. Neu war auf den Luftschiffen der Barograph, auf den die Schiffe noch nicht zurückgreifen konnten.

Der physikalische Grundgedanke der Luftschifffahrt basiert wie in der Schifffahrt auf dem „Archimedischen Prinzip“.
Der Luftschiffer spricht von „Fahren“, im Gegensatz zum „Fliegen“ der Flugzeuge, die sich nur unter Energieverbrauch in der Luft bewegen , während Luftschiffe im weitesten Sinn des Wortes in der Luft schwimmen , ohne dass hierzu Energie verbraucht werden muss. Man spricht auch von statischem Auftrieb im Gegensatz zu dynamischem Auftrieb beim Flugzeug.

 

Ferdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin

Es  dauerte eine Weile, bis das Militär das Luftschiff für kriegstauglich hielt und es als Waffe gegen die Fernblockade der Engländer einsetzen wollte. Dem "Eroberer der Lüfte", Graf Zeppelin, kam der 1. Weltkrieg gerade recht, denn er brauchte das Militär zur weiteren Finanzierung seiner Luftschiffe.  
Im Krieg wurde die Entwicklung der Starrluftschiffe Zeppelins (L) stark vorangetrieben. Daneben kamen Prallluftschiffe von Parseval  (P) und vor allem auch  Starrluftschiffe von Schütte-Lanz  (SL) zum Einsatz.
Der Schiffbauer Prof. Johann Schütte, war Zeppelins größter Konkurrent. Er entwarf die Luftschiffe, die in Mannheim bei der Firma Lanz gebaut wurden. Sein Luftschiff SL 2 war ein Meilenstein in der Geschichte der Luftschifffahrt und die Prinzipien dieser Konstruktion sind noch heute von Bedeutung. Die aerodynamische Tropfenform wurde später auch von Zeppelin übernommen. Aber seine Unterkonstruktion fertigte er aus Holz, einem ungeeigneten Material über See, es quoll auf und der Leim hielt nicht.
Erst gegen Ende des Krieges baute auch Schütte-Lanz sein Gerüst aus Duralumin.
Im Gegensatz zu dem einzelligen Prallluftschiff von Parceval zeichneten sich die Starrluftschiffe durch diverse mit Wasserstoff gefüllte Traggaszellen aus.

August von Parseval, P. I im Militär Luftschiffmanöver in Köln
Luftschiff Schütte-Lanz in Mannheim

Die militärische Führung des Deutschen Reiches setzte anfangs große Hoffnungen in die Luftschiffe. Sie erschienen als eine Art Wunderwaffe: Verglichen mit zeitgenössischen Flugzeugen, die auch erst am Anfang ihrer Entwicklung standen, erreichten sie größere Höhen, waren schneller, konnten mit ihrer viel größeren Nutzlast mehr Bombenlast tragen, konnten länger in der Luft bleiben und hatten somit eine sehr viel größere Reichweite. Deshalb gab das Kaiserreich dem Luftschiff den Vorrang, anders als das Ausland. Luftschiffe galten als typisch deutsche Ingenieurskunst.
1912 wird in Hamburg-Fuhlsbüttel die erste Luftschiffhalle gebaut, die Geburtsstunde des heutigen Flughafens. LZ 18/L 2 und LZ 24/L 3 fanden in einer gemieteten Halle Platz.

Am 27. September 1913 wurde Korvettenkapitän Strasser zum Kommandanten der Abteilung Marine-Luftschifffahrt im Reichsmarineamt ernannt, damit war er    verantwortlich für die Entwicklung der Luftschiffe.
Die Kaiserliche Marine verfügte zu Anfang des Krieges für den Einsatz nur über das LZ 24/L 3, stationiert in Hamburg-Fuhlsbüttel, da die Doppeldrehhalle in Nordholz bei Cuxhaven noch im Bau war.

Strassers Bemühen um schnellstmögliche Ausbildung größerer Kampfeinheiten, um den riesigen Luftraum über Nord- und Ostsee unter Kontrolle zu bringen, blieb nicht ungehört. Die zivilen Luftschiffe der DELAG wurden in die Kriegshandlungen einbezogen, sie dienten als Ausbildungsschiffe.

Torpedoboot und Luftschiff bei einer Aufklärungsfahrt

Aufgabe der Marine-Luftschiffe war die Aufklärung über See sowie das Eskortieren eigener Kriegsschiffe. Gute Dienste leisteten sie dabei insbesondere beim Aufspüren von feindlichen Minensperren und der Markierung von Minenfeldern mit abgeworfenen Bojen. Ebenso halfen sie beim Ausbringen von Minengürteln, aber auch bei der Suche und Bergung vermisster Seeflugzeuge in Zusammenarbeit mit per Funk angeforderten  Torpedobooten waren sie von Nutzen.
Gegen die Fernblockade der Briten sah die Admiralität als einzigen Ausweg den Angriff aus der Luft und den U-Boot Einsatz.
Bereits am 21. Januar 1915 bombardiert ein Luftschiffgeschwader die Hafenanlagen von London.
Auf ausdrückliche Order von Kaiser Wilhelm durften nur kriegswichtige Ziele, wie die Docks, Eisenbahngleise,  Nachschubwege und Fabrikanlagen angegriffen werden. Die Innenstadt von London  - vor allem historische Gebäude und Zivilisten  - musste verschont bleiben.
Strasser sah von Beginn an in seiner Luftschiff-Flotte eine wirksame Waffe, die England als Mutterland in Angst und Schrecken versetzte, denn Kriegshandlungen auf ihrer Insel waren dort unbekannt. Mit den Luftangriffen verwischte sich auch die Front, man hatte den Krieg im Hinterland und musste Ressourcen durch die Abwehr im eigenen Land binden, die dann an der Front fehlten.

Typentafel Marineluftschiffe

Die Luftschiffe waren nicht so verwundbar, wie die Engländer dachten, die Geschosse durchschlugen nur die Außenhülle wie die Traggaszellen, brachten das Gas aber nicht zum Brennen. Die Löcher waren mit Bordmitteln zu flicken.
Angriffsfahrten, vor allem gegen England, wurden bereits seit Ende 1914 nur noch im Schutz der Dunkelheit bzw. bei mondlosen Nächten durchgeführt.
Der Mythos der deutschen Wunderwaffe zerbricht erst, als Flugzeuge der Alliierten neue Brandmunition verschießen und die mit Wasserstoff gefüllten Zeppeline ab 1916 brennend vom Himmel stürzen. Da blieb den Zeppelinen nur noch in die Höhe auszuweichen.
Als "fliegende Augen" führten allein die Marine-Luftschiffe bis 1918, unter dem Führer der Luftschiffe, Strasser, rund 1200 Aufklärungsfahrten über der Nordsee und dem Skagerrak und 352 Angriffsfahrten auf England durch.
Zwar richteten die Angriffe nur vergleichsweise geringen Schaden an, verbreiteten jedoch bei Militär und Zivilbevölkerung  der Gegner überproportional Angst und Schrecken, die Propaganda auf beiden Seiten leistete ganze Arbeit.  

Neben Nordholz, dem größten Luftschiffhafen mit der einzigen Doppeldrehhalle unterhielt die Marine  Luftschiffhäfen in Tondern, Kiel,  Fuhlsbüttel, Hage, Wittmundhafen, Ahlhorn und Wildeshausen. In Jambol/Bulgarien befand sich der südlichste  Luftschiffhafen des Kaiserreichs ; er wurde von der Marine für die geheime Afrikafahrt genutzt, bei der LZ 104/L 59 einen Streckenrekord von 6757 km in 95 Stunden ununterbrochener Fahrt aufstellte.

L 23 Seitenriss

Der letzte Angriff deutscher Luftschiffe gegen England fand am 5. 8. 1918 statt.
Den Geschwaderangriff leitete der F.d.L. Strasser selbst unter Kommandant von Lossnitzer auf LZ 112/L 70. Außerdem waren beteiligt: L 53, L 56, L 63 und L 65.
L 70 war der modernste größte „Höhenkletterer“, umso mehr verwundert es, dass ausgerechnet dieses Schiff Opfer des Abschusses wurde. Alle anderen Marine-Luftschiffe kamen unbeschadet zu ihrer Basis zurück.
Danach wurden die Marine-Luftschiffe nur noch zu Aufklärungs- und zu Minensucharbeiten bzw. zur Sicherung von Minensuchverbänden eingesetzt.

Noch bei Kriegsende waren die Kriegszeppeline in der Luftfahrt Spitzentechnologie, die Marine hielt bis zum Schluss an ihnen fest.

"Mein Großvater, Ernst Fegert, war jahrelang 1. Vorsitzender des Marine-Luftschiffer-Vereins mit Sitz in Hamburg, in dem wohl alle Luftschiffer Mitglied waren und sich auch nach dem Krieg (1. WK) regelmäßig trafen. Ich gehe also davon aus, dass zumindest in Hamburg viele ehemaligen Luftschiffer Zuhause waren.

Wo sind die geblieben? Es ist bereits die Enkelgeneration in die Jahre gekommen, aber die ist die letzte Generation, die ihre Großväter noch kannte. Diese Generation darf uns nicht verloren gehen, denn sie sind noch Zeitzeugen.

Ich will darauf hinaus, dass wir mit der Homepage diese Generation ansprechen müssen, dass die ihr Wissen (noch persönlicher Art) weitergeben. Ich wäre gerne Ansprechpartner für diese Menschen.

Mein Großvater war nach dem Krieg langjähriger Leiter der Hamburger Heuerstelle, da waren sicher auch Luftschiffer dabei, die wieder zur See fuhren.

Ich suche eine Möglichkeit, die uns zusammenbringt, in Hamburg haben wir diese Anlaufstelle nicht. Die Marine-Luftschifffahrt ist nach Nordholz ins Aeronauticum ausgelagert worden, von wo kaum ein Hamburger weiß, wo das liegt."

 

Elisabeth Bliesener, 13.1.2020

Wenn die Marine-Luftschiffe Ihr interesse geweckt hat können sie auf Frau Blieseners Seite mehr nachlesen.

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