Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Archiv der Veranstaltungen der Regionalgruppe Hamburg 2019

April 2019

Am 11.04.19 fand der von Herrn Dr. Jann Martin Witt über das "Marineehrenmal Laboe" gehaltene Vortrag ausnahmsweise im beschaulichen "Hamburger Zimmer" des Unteroffizierscasinos der Führungsakademie statt.
Dr. Witt, der neben seiner Tätigkeit im Wissenschaftlichen Beirat der DGSM auch Mitglied des Deutschen Marinebundes ist, begann seine Zeitreise in den Anfängen des Ehrenmals und berichtete von einem ehemaligen Panzerturm der Kieler Befestigungsanlagen in Laboe, der nach ausreichender Sammlung von Spendengeldern 1927 dem Turm des Laboer Ehrenmals wich. Dieser wurde nach nur 101 Tagen nach Entwürfen des Architekten Gustav August Munzer in epxressionistischem Baustil fertig gestellt und symbolisiert nicht etwa einen Schiffsbug, ein Wikingerschiff, ein Segel oder gar ein U-Bootturm, sondern "ein mit Erde und See fest verwurzeltes Bauwerk, das dem Himmel wie eine Flamme entgegenragt". Die Örtlichkeit Laboe, damals schon beliebtes Ausflugsziel an der Ostsee, wurde gegenüber den Alternativstandorten Cuxhaven und Wilhelmshaven bewusst gewählt, um das Bauwerk gezielt auch der Bevölkerung nahe zu bringen. Nach der Weltwirtschaftskrise, die einen Baustopp nach sich zog, gelang es dann erst 1936 das Bauwerk gesamtheitlich zu vollenden und auch einzuweihen. Beim damaligen Zeitgeist, der von der Niederlage des 1. Weltkrieges und der Selbstversenkung der Kaiserlichen Flotte bei Scapa Flow geprägt war, wundert es es nicht, dass das Ehrenmal in Gedenkansprachen oft in den Kontext eines "Symbols der Rache" und einer "nationalistischen Heldengedenkstätte" gesetzt wurde und später auch im Sinne der Nazi-Ideologie interprätiert wurde. Nachdem das Bauwerk den 2. Weltkrieg überstanden hatte und es auch von den britischen Besatzern nach einigem Hin-und Her nicht als Ort der Kriegsverherrlichung eingestuft wurde, denn dies hätte die Anordnung seiner Sprengung zur Folge gehabt, setzte ein Bedeutungswandel ein, nämlich als internationale Gedenkstätte, die auch ausdrücklich feindliche Verluste mit einschloss. Seit 1955 ist das Ehrenmal auch Gedenkstätte der Deutschen Marine für diejenigen, die im Dienst ihr Leben ließen, seit 1996 sogar Gedenkstätte für "alle auf See gebliebenen Opfer aller Kriege" und wird seit Längerem vom Deutschen Marinebund betreut. Dr. Witt führte das Auditorium noch mit Hilfe einer Präsentation virtuell in die einzelnen Räume und den Außenbereich des Ehrenmals und erläuterte Besonderheiten, Exponate oder besondere Gedenkfeiern, legte noch ein Schlaglicht auf das ebenfalls vom Marinebund betreute U995 in Laboe, um schließlich zum Ende des Vortrags in Aussicht zu stellen, dass einige Veränderungen der ständigen Ausstellung im Ehrenmal geplant seien und auch U995 zukünftig in einen erweiterten informatorischen Kontext gestellt werden soll.

Referent Dr. Witt während seines Vortrags zum Marineehrenmal

März 2019

Der Vortrag im März ist leider ausgefallen.

FEBRUAR 2019

Am 14.02.19 kam der Gezeitentaucher Thomas Hofmann zur Regionalgruppe Hamburg in die Führungsakademie der Bundeswehr und entführte die Zuschauer in die geheimnisvolle Unterwasserwelt der Nordseewracktaucherei. Herr Hofmann begann seinen virtuellen Tauchgang, der mit vielfältigem Multimediamaterial visualisiert wurde, zunächst mit einer Beschreibung der umfangreichen Vorbereitungs- und Trainingshandlungen, die die Taucher vor jedem Tauchvorhaben auf sich nehmen müssen, denn „die Nordsee verzeiht keine Fehler“. So müssen Gezeitentaucher nach Standards technischer Organisationen ausgebildet sein, bestimmte automatisierte Abläufe verinnerlicht haben und auch in der Lage sein, selbst lebensbedrohliche Problemstellungen unter Wasser in einem sehr kleinen Zeitfenster direkt am Tauchort zu lösen. Der Referent beschrieb dann das für jeden Tauchgang am Wrack vorgesehene technische Material (tauchfeste Notfallfunkgeräte, Kameras, schnelles Boot mit Fishfinder-Sonar, Vermessungsgerät, etc.), das Erfordernis der genauen Auswertung von Wetter- und Gezeitendaten, Wasserbedingungen und Strömungsgeschwindigkeiten und beschrieb dann am Beispiel vom „Wrack X“, einem wie sich später herausstellte 1936 vor Norderney im Sturm untergegangenen Frachter „SS Elsa“, wie ein unbekanntes Wrack betaucht, vermessen und die gewonnenen Erkenntnisse analysiert werden, um es dann schließlich einem Schiffsnamen zuordnen zu können. Diese Auswertung gleicht einer kriminalistischen Detektivarbeit, bei der die generellen Schiffsmaße, aber auch einzelne Bauteile wie individuell gefertigte Motoren, Lage von Schornsteinen und anderen Aufbauten in Relation zum Rumpf, Einstanzungen von Seriennummern und verbaute Firmenplaketten, aber auch andere individuelle Merkmale und sogar Ladungsreste eine Rolle spielen können und zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Anschließend beginnt eine umfangreiche, manchmal mehrere Monate andauernde Recherche in Archiven, bei der Ausschlusskriterien bestimmte gesunkene Schiffe aus dem Raster fallen lassen, während wiederum Übereinstimmungen bestimmten Schiffen zugeordnet werden und sich im günstigsten Fall der Fokus am Ende auf ein bestimmtes Schiff, so wie beim Wrack X der „SS Elsa“, legen lässt.

Thomas Hofmann befasste das Auditorium schließlich noch mit drei militärischen von den Gezeitentaucher betauchten Wracks, den im 2. Weltkrieg eingesetzten Vorpostenbooten V 810 und V 812 (bewaffnete Fischkutter) sowie einem Minensuchboot (vermutlich M307), um seinen Vortrag mit dem Fazit zu schließen, dass Wracks Zeitkapseln sind, die die Havarie in Relation zur Gegenwart setzen, aber auch Lebensraum für viele Tiere und somit historische wie auch ökologische Schätze mit viel Suchtpotenzial darstellen.

Links: Gezeitentaucher Ulrich Hofmann | Rechts: Leiter der DGSM-Regionalgruppe Hamburg Dr. Schulze-Wegener

JANUAR 2019

Am 17.01.19 lud die DGSM-Regionalgruppe zum Vortrag "Eisbrecher in Hamburg". Referent war der Buchautor Jens Bald, der unter gleichnamigem Titel auch ein entsprechendes Fachbuch herausgebracht hat (ISBN: 9783869274249). Herr Bald eröffnete seinen Vortrag mit einem Blick auf die vorindustrielle Zeit, beleuchtete dabei insbesondere die damalige Wirtschaftslage und skizzierte hierbei auch die vorherrschende Situation der Schifffahrt, die von küstennahem Warenaustausch und überwiegend ruhender Schifffahrt in den eisigen Wintermonaten geprägt war. Erste regelmäßige Eisbekämpfung in Hamburg, so der Referent, gab es seit 1778, die über die Jahre schließlich mit Eisewern und Eiskähnen vollzogen wurde. Sich stetig wiederholende Ereignisse wie eine über mehrere Kilometer komplett zugefrorene Elbe oder eine Zerstörung fast sämtlicher Hamburger Pfahlbauwerke im Wasser durch Eis (1839) ließen schließlich vermehrt das Bedürfnis aufkommen, diese Eisbekämpfung zu intensivieren. Herr Bald beschrieb dann die Zustände Hamburgs im Industriezeitalter, die nicht zuletzt begünstig durch die Einführung der Dampfschifffahrt und des Eisenschiffbaus einen rasant wachsenden Warenaustausch nach sich zogen, der aber immer wieder durch Eis auf der Elbe be- oder sogar verhindert wurde. In der Folge befassten sich die Kaufmannschaft wie auch der Senat in den 1850er-Jahren mit dem Problem des eisbedingt gehemmten Warenflusses im Winter und ließen Entwürfe erster Dampfeisbrecher prüfen. Weitere sehr harte Winter in den Jahren 1855 und 1870 und ein sich offenbar stark gegegenüber den Interessen der Kaufmannschaft zurückhaltender Senat führten schließlich zur Gründung des "Comité zur Beseitigung künftiger Schiffssperren auf der Elbe", was schließlich in einer Ausschreibung eines Eisbrechers mündete, die letztlich ein C.F. Steinhaus mit seinem Entwurf für sich entscheiden konnte. Dieser erste "Eisbrecher No 1" zeichnete sich durch geringe Schiffsabmessungen bei größtmöglicher Maschinenleistung, durch ausfallende Spanten im Bereich der Schwimmwasserlinie und einer Vermeidung von geraden Wasserlinien aus und war vom Kiel bis zum Vorschiff hochgezogen. Zudem hatte das Schiff eine geringe Anfangsstabilität und ein tief unter dem Eis liegendes Ruderblatt - alles Grundsätze übrigens, die bis heute beim Bau von kleineren Eisbrechern Bestand haben. Herr Bald gab in seinem Vortrag weitere Eckpunkte bezüglich der hamburgischen Eisbrecher bekannt, schilderte also die 1876 eintretende Verstaatlichung der Eisbrecher durch Angliederung an das Amt für Strom- und Hafenbau, den Bau vom "Eisbrecher No 2" und weiterer Schiffe, die am Ende schließlich fast 100 Jahre im Einsatz sein sollten. Herr Bald beleuchtete noch weitere wichtige Ereignisse im Zusammenhang mit der Eisbrecherflotte wie etwa die Gründung der Reichswasserstraßenverwaltung (1919), die Zeit der Wirtschaftskrise, Geschehnisse rund um das Groß Hamburg Gesetz (1937), die Verwendung der Schiffe während der Weltkriegsjahre (WK II) wie auch das Eisbrecherneubauprogramm von 1947. Schließlich ging Herr Bald noch auf die Neubauten von 1974, 1986, 2014 und 2016 ein, erklärte den Zuschauern noch ein paar technische Details, darunter die mit den jüngsten Neubauten verbundenen Umweltauflagen (Abgasnachbehandlung) und schloss seinen Vortrag mit einer Kurzbeschreibung des Dampfeisbrechers Stettin, der eigentlich für ein anderes Einsatzgebiet konzipiert worden war und nur bedingt durch den 2. Weltkrieg den Weg nach Hamburg bzw. Wedel gefunden hatte, aber heute ein fester Bestandteil des Museumshafens Oevelgönne ist.

Buchautor Jens Bald
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