Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Archiv der Veranstaltungen der Regionalgruppe Hamburg 2019

JANUAR 2019

Am 17.01.19 lud die DGSM-Regionalgruppe zum Vortrag "Eisbrecher in Hamburg". Referent war der Buchautor Jens Bald, der unter gleichnamigem Titel auch ein entsprechendes Fachbuch herausgebracht hat (ISBN: 9783869274249). Herr Bald eröffnete seinen Vortrag mit einem Blick auf die vorindustrielle Zeit, beleuchtete dabei insbesondere die damalige Wirtschaftslage und skizzierte hierbei auch die vorherrschende Situation der Schifffahrt, die von küstennahem Warenaustausch und überwiegend ruhender Schifffahrt in den eisigen Wintermonaten geprägt war. Erste regelmäßige Eisbekämpfung in Hamburg, so der Referent, gab es seit 1778, die über die Jahre schließlich mit Eisewern und Eiskähnen vollzogen wurde. Sich stetig wiederholende Ereignisse wie eine über mehrere Kilometer komplett zugefrorene Elbe oder eine Zerstörung fast sämtlicher Hamburger Pfahlbauwerke im Wasser durch Eis (1839) ließen schließlich vermehrt das Bedürfnis aufkommen, diese Eisbekämpfung zu intensivieren. Herr Bald beschrieb dann die Zustände Hamburgs im Industriezeitalter, die nicht zuletzt begünstig durch die Einführung der Dampfschifffahrt und des Eisenschiffbaus einen rasant wachsenden Warenaustausch nach sich zogen, der aber immer wieder durch Eis auf der Elbe be- oder sogar verhindert wurde. In der Folge befassten sich die Kaufmannschaft wie auch der Senat in den 1850er-Jahren mit dem Problem des eisbedingt gehemmten Warenflusses im Winter und ließen Entwürfe erster Dampfeisbrecher prüfen. Weitere sehr harte Winter in den Jahren 1855 und 1870 und ein sich offenbar stark gegegenüber den Interessen der Kaufmannschaft zurückhaltender Senat führten schließlich zur Gründung des "Comité zur Beseitigung künftiger Schiffssperren auf der Elbe", was schließlich in einer Ausschreibung eines Eisbrechers mündete, die letztlich ein C.F. Steinhaus mit seinem Entwurf für sich entscheiden konnte. Dieser erste "Eisbrecher No 1" zeichnete sich durch geringe Schiffsabmessungen bei größtmöglicher Maschinenleistung, durch ausfallende Spanten im Bereich der Schwimmwasserlinie und einer Vermeidung von geraden Wasserlinien aus und war vom Kiel bis zum Vorschiff hochgezogen. Zudem hatte das Schiff eine geringe Anfangsstabilität und ein tief unter dem Eis liegendes Ruderblatt - alles Grundsätze übrigens, die bis heute beim Bau von kleineren Eisbrechern Bestand haben. Herr Bald gab in seinem Vortrag weitere Eckpunkte bezüglich der hamburgischen Eisbrecher bekannt, schilderte also die 1876 eintretende Verstaatlichung der Eisbrecher durch Angliederung an das Amt für Strom- und Hafenbau, den Bau vom "Eisbrecher No 2" und weiterer Schiffe, die am Ende schließlich fast 100 Jahre im Einsatz sein sollten. Herr Bald beleuchtete noch weitere wichtige Ereignisse im Zusammenhang mit der Eisbrecherflotte wie etwa die Gründung der Reichswasserstraßenverwaltung (1919), die Zeit der Wirtschaftskrise, Geschehnisse rund um das Groß Hamburg Gesetz (1937), die Verwendung der Schiffe während der Weltkriegsjahre (WK II) wie auch das Eisbrecherneubauprogramm von 1947. Schließlich ging Herr Bald noch auf die Neubauten von 1974, 1986, 2014 und 2016 ein, erklärte den Zuschauern noch ein paar technische Details, darunter die mit den jüngsten Neubauten verbundenen Umweltauflagen (Abgasnachbehandlung) und schloss seinen Vortrag mit einer Kurzbeschreibung des Dampfeisbrechers Stettin, der eigentlich für ein anderes Einsatzgebiet konzipiert worden war und nur bedingt durch den 2. Weltkrieg den Weg nach Hamburg bzw. Wedel gefunden hatte, aber heute ein fester Bestandteil des Museumshafens Oevelgönne ist.

Buchautor Jens Bald
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