Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Archiv der Veranstaltungen der Regionalgruppe Hamburg

In den folgenden Passagen finden Sie eine Auswahl an Veranstaltungen und Vorträgen der DGSM Regionalgruppe Hamburg

OKTOBER 2018

Am 14. Oktober 2018 fand im Internationalen Maritimen Museum Hamburg (IMMH) in Zusammenarbeit mit dem IMMH und der Ranke Gesellschaft eine Sonderveranstaltung zum Thema EUROPA UND DAS MEER statt.

 

Programm der Sonderveranstaltung Europa und das Meer
DGSMRanke Programm 14. Oktober 2018.pdf
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SEPTEMBER 2018:

Am 13.09.18 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung "KAPITÄNLEUTNANT HANS ROSE | U-BOOTKOMMANDANT DES 1. WELTKRIEGES" in die Führungsakademie der Bundeswehr.
Referenten waren die Buchautoren Prof. Dr. Gertrude Robinson und Markus F. Robinson. Frau Prof. Dr. Robinson, die den überwiegenden Redebeitrag übernahm, begann ihren Vortrag mit der Vorstellung
des von beiden Referenten herausgebrachten themenbezogenen Buches "Kapitän Hans Rose | Ein ritterliches Leben" und dem Hinweis, dass Hans Rose der fünfterfolgreichste U-Bootkommandant des Ersten Weltkrieges war,
der mit allen Fehlern und Schwächen menschlicher Natur ausgestattet war und auch mal Entscheidungen auf höherer Ebene kritisierte, aber in gewisser Weise auch ein Vorbild für seine Mitmenschen war.
Das Leben von Hans Rose begann 1885, als er, wie beide Buchautoren herausfanden, in eine weltoffene Berliner Familie hineingeboren wurde und hier eine Persönlichkeitsprägung erhielt, die auf viktorianischer Hierarchie beruhte und eine pflichtorientierte Anschauung zu den Institutionen Familie und Gesellschaft hatte. Rose trat 1903 in die Kaiserliche Marine ein und begann seine Karriere hier auf dem Schulschiff SMS Stein. Weitere Stationen waren die SMS Hessen (Linienschiff), SMS Freya (Schulkreuzer), SMS Württemberg (Panzerkorvette) und schließlich die SMS Wettin (Linienschiff), auf der er den hinteren 24cm-Artillerieturm befehligte.
Anschließend fand er sich 1911 auf der SMS Augsburg (Kleiner Kreuzer) und 1912 bis 1913 auf der SMS Loreley, einer in Konstantinopel stationierten Konsularsyacht wieder, deren Restaurierung er überwachte. Als 1913 ein großes Erdbeben die Region erfasste, beteiligte sich Rose an Hilfsgütertransporten.
Nach einer weiteren Station auf S18 (Schnellboot) wechselte er schließlich zur U-Bootwaffe, befehligte hier U2, bis er über eine kurzfristige Lehrertätigkeit an der U-Bootschule schließlich 1916 zur auf Helgoland stationierten 2. U-Bootflottille stieß und hier das Kommando von U53, einem Boot der U51-Klasse, erhielt.
Frau Prof. Dr. Robinson gab dann einen technischen Einblick in die U 51-Klasse, die mit 65,2m Länge, 715 t Überwasser- und 902 t Unterwasserverdrängung und einer maximalen Tauchtiefe von 50 m zu den modernsten U-Booten seiner Zeit gehörte.
Anschließend schilderte sie die 9000 Seemeilen umfassende Amerikafahrt von U 53 im Jahr 1916, das mit Verpflegung und Treibstoff völlig überlastet war und während der Mission sogar einen Dieselausfall zu beheben hatte.
Sie ging auf den Höflichkeitsbesuch in Newport (USA) bei US-Konteradmiral Austin M. Knight ein und schilderte sodann, wie Hans Rose anschließend den Handelskrieg nach Prisenordnung vor der US Küste und auch seine weiteren Versenkungen im Rahmen weiterer Aufträge vollzog.
Hans Rose verfolgte, so die Nachforschungen von den beiden Referenten, stets das Prinzip der Auftragstaktik, ging dabei äußerst aggressiv und gleichzeitig aber gut vorbereitet und Risiken minimierend vor und behielt offenbar sogar noch die Betriebskosten seiner Bewaffnung im Auge, indem er, wenn er konnte, Granaten der Bordkanone den teuren Torpedos vorzog (Stückpreis 40.000 Goldmark; das Jahresgehalt von Rose betrug damals 900 Goldmark). So kam es einmal vor, dass er sein Boot nach abgeschlossener Mission mit lediglich sechs Granaten an Restmunition im Heimathafen anlegen ließ.
In einer Situation versenkte er sogar zwei Schiffe gleichzeitig (SS Roscommon und SS Devonian), indem er beide Schiffe sowohl mit Bug- und Hecktorpedos angriff.
Bei aller kriegerischer Aggressivität, so die Referenten, konnte er sich aber auch in das Schicksal seiner Opfer hineinversetzen und funkte dann auch den Standort sinkender Schiffe an den Feind, damit deren Besatzungen noch gerettet werden konnten; teilweise rettete er Besatzungsmitglieder ohne Rettungswesten nach eigenen Möglichkeiten auch selber.
Auch war er sich bestimmten Risiken stets bewusst und bat dann beispielsweise vor Kriegseintritt der USA per Morsezeichen einen vor einem lohnenden Ziel umherfahrenden US-Zerstörer um freie Bahn für seinen nächsten Torpedoangriff.
Rose konnte viele Rekorde auf sich vereinen, so z.B. die Versenkung des ersten Handelsschiffs der Welt, das in Kriegshandlungen durch einen Torpedotreffer verloren ging. Auch ging nach Kriegseintritt der USA der erste gesunkene US-Zerstörer (USS Jacob Jones) auf seine Rechnung, den er aus einer Entfernung von 2700m mit einem Torpedo traf. Statistisch gingen 17,6 % der versenkten Handelsschiffe auf Hans Roses Agieren mit U53 zurück, weshalb man ihm schließlich auch den "Orden Pour le Mérite" (1917) neben weiteren Ehrenauszeichnung (eiserne Kreuze, Ritterkreuz) verlieh.
Warum war Rose nun ein U-Boot-Ass, wie man erfolgreiche U-Bootfahrer damals bezeichnete? Die beiden Referenten fassten das Erfolgsrezept wie folgt in Stichworten zusammen:
Hans Rose...
~ hatte eine hohe Toleranz für Unbehagen
~ hatte einen strukturierten Denkrahmen zur Analyse von Situationen
~ beherrschte die technische und taktische Komplexität der U-Boot-Kriegsführung
~ hatte eine breite taktische Flexibilität
~ hatte Verständnis für die Bedeutung des menschlichen Elements im Kampf
~ hatte die Fähigkeit, die eigene Crew durch Training, Definition, Motivation und Belohnung in ein leistungsstarkes Team zu verwandeln
~ war ein aggressiver Krieger, aber nicht unbedacht
~ bereitete sich sorgfältig vor
~ minimierte die Risiken insbesondere durch vorbeugende Maßnahmen
~ war in der Lage, in Krisensituationen zu funktionieren und nicht in emotionale Verhaltensweisen zu verfallen
~ war pragmatisch und in der Lage, sich Möglichkeiten zu verschaffen
~ wendete die Auftragstaktik an

Die Referenten gingen schließlich noch auf Roses Verwendung im Zweiten Weltkrieg in Trondheim (Norwegen) und sein Dasein nach beiden Weltkriegen ein und erörterten schließlich auf der Basis der ihnen vorliegenden Informationen und deren Interpretationsräume die Fragestellung, ob Hans Rose eine dem Nazi-Regime bedenkenlos verfallene Persönlichkeit gewesen sein könnte oder ob es Anzeichen für ein Widerstreben gab.
Im Anschluss an den Vortrag kam es zu einer lebhaften Diskussion mit dem Auditorium, das beide Referenten neben der Bitte um weitere Ausführungen auch mit kritischen Fragestellungen und konträren Fakten konfrontierte.

Sollten auch Sie Interesse an maritimen Themen mit historischen Bezügen
haben, kommen Sie gerne zu unseren kostenlosen Vorträgen vorbei. Sie
müssen übrigens kein DGSM-Mitglied sein.
Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte bis 7 Tage vor Veranstaltungsbeginn erfolgen.
Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter,
Herrn Dr. Schulze-Wegener, auf:
http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/
 

Buchautoren Prof. Dr. Gertrude Robinson und Markus F. Robinson.

MÄRZ 2018

Am 09.03.18 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung Marineehrenmal Laboe in die Führungsakademie der Bundeswehr. Leider war der Referent aus dringenden Gründen verhindert, so dass der Regionalleiter und Militärhistoriker, Herr Dr. Schulze-Wegener kurzentschlossen einsprang und den zweiten Teil seines Vortrages zum Thema Der Erste Weltkrieg zur See. Eine Bilanz hielt, damit die Veranstaltung nicht ausfallen musste.
Der vorangegange Vortrag (vom Oktober 2017) endete thematisch unmittelbar vor der Seeschlacht am Skagerrak und Herr Dr. Schulze-Wegener eröffnete seinen Vortrag mit einer Schilderung der stratetischen Lage im Frühjahr 1916 und zitierte die damalige Forderung von Erich von Falkenhayn https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_von_Falkenhayn , dass die Marine Druck auf England ausüben solle. Die Kaiserliche Marine nahm also einen festen Platz in der Gesamtstrategie des 1. Weltkrieges ein und die Royal Navy sollte zu einer Entscheidungsschlacht gedrängt werden, damit Deutschland Seeherrschaft ausüben kann.
Am 31. Mai 1916 war es dann schließlich soweit, begünstigt durch diverse Umstände kam es zur Skagerrakschlacht, in der sich 244 deutsche Rohre (die größten Kaliber: 28cm und 30,5 cm) und 344 britische Rohre (die größten Kaliber 30,5 cm, 34,3 cm und 38,1 cm) gegenüber standen. Die Schlacht nahm eine Schlachtkreuzergefechtsphase, eine Verfolgungsphase der Schlachtkreuzer, eine Flottenschlachtphase und eine Nachtgefechtphase an, in dessen Verlauf elf deutsche Schiffe mit 2551 Personen (darunter auch der Schriftsteller Gorch Fock) und vierzehn britische Schiffe mit 6094 Personen verloren gingen. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Skagerrakschlacht
Die deutsche Seite zog damals eine positiv-euphorische Bilanz der Schlacht und wertete diese als vollen Erfolg, auch wenn Historiker heute feststellen müssen, dass die deutsche Hochseeflotte letztlich den Bestand der britischen Grand Fleet und somit die britische Seeherrschaft auf lange Sicht nicht gefährden konnte, zumal Deutschland sich in einer für Seeherrschaft ungünstigen geografischen Ausgangsposition befand.
Herr Dr. Schulze -Wegener lenkte die Aufmerksamkeit des Autitoriums dann auf den uneingeschränkten U-Bootkrieg https://de.wikipedia.org/wiki/Seekrieg_im_Ersten_Weltkrieg#U-Boot-Krieg und beleuchtete die politischen und militärischen Positionen vor dem Hintergrund des drohenden Kriegseintritts der USA. Als weiteren Eckpunkt des Ersten Weltkrieges mit Marinebezug thematisierte er noch den Kieler Matrosenaufstand https://de.wikipedia.org/wiki/Kieler_Matrosenaufstand, dem eine Meuterei von Teilen der Hochseeflotte vorausgegangen war und der der Initialfunke für die deutsche Novemberrevolution https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberrevolution sein sollte, die bis zum 2. Weltkrieg aber einen Makel im Ansehen der Marine hinterließ.
Im Anschluss an den Vortrag setzte eine lebhafte Diskussion ein, die nochmals besondere Aspekte der Skagerrakschlacht beleuchtete. Auch die Ausrichtung der Marine nach dem Ersten Weltkrieg (bis 1928 defensiv, danach offensiv) und die Folgen der Skagerrakschlacht für die Befehlshaber beider Marinen wurden vom Auditorium diskutiert.

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Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte im Idealfall bis ca. 1 Woche vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter, Herrn Dr. Schulze-Wegener, auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/

Dr. Schulze-Wegener, DGSM-Regionalleiter Hamburg und Militärhistoriker

FEBRUAR 2018

Am 08.02.18 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung "TRADITION IN DER BUNDESWEHR | DEFINITION UND WAHRNEHMUNG" in die Führungsakademie der Bundeswehr. Referent war der Militärhistoriker und Fachbuchautor Dr. Heinrich Walle, Sprecher des Wissenschaftlichen Beirates der DGSM .
Herr Dr. Walle begann seinen Vortrag mit einem Zitat von Thomas Morus (*1478 in London †1535 in London) "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme".
Er führte die Aufmerksamkeit des Auditoriums sodann auf den Umstand, dass Tradition nicht per Dekret verordnet werden kann, sondern gefühlt werden muss, also von einer breiten Masse mitgetragen und für richtig empfunden werden muss und belegte dies mit einigen Beispielen aus seiner Militärkarriere. Herr Dr. Walle, der übrigens auch Theologie studiert hat, zog in seinen Ausführungen auch Vergleiche zum Heiligenkult der katholischen Kirche heran und kam zu dem Ergebnis, dass das, was von den Gläubigen mitgetragen wurde, auch Einzug in die katholische Kirchentradition hielt - aber mit der Zeit auch einem Wandel unterliegt.
Herr Dr. Walle ging dann über zu Schilderungen bezüglich der demokratischen Grundordnung und zeigte auf, dass Demokratie geschichtlich gewachsen ist, dass Soldaten mittlerweile Bürger in Uniform sind und konnte mit einer rückwirkenden Betrachtung des Soldatentums darstellen, dass Tradition auch eine Art der Weitergabe von Wertvorstellungen ist und auch mit bestimmten Traditionen gebrochen werden kann, wenn diese nicht mehr zeitgemäß sind.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Traditionen, so Herr Dr. Walle weiter, ist der Umstand, dass sie Emotionen ansprechen müssen - er zog dabei einen interessanten Vergleich zum hamburgischen Chilehaus https://de.wikipedia.org/wiki/Chilehaus als Bauwerk des Backsteinexpressionismus, das eben durch diese spezielle Bauweise Emotionen hervorrufen kann und auch soll und belegte damit, dass selbst Bauwerke einen Ausdruck der Tradition darstellen können, genauso wie Lieder und Musik, Kleidung, Fahnen, Zeremonien, Verhaltensweisen, Gebräuche, die Verehrung von Identifikationsfiguren und Vorbildern.
Da gegenwärtig Karnevalssaison ist, zog Herr Dr. Walle sogar Parallelen zu Kölner Karnevalstruppen und zeigte z.B. anhand der Verleihung von Orden und Abzeichen an ihre Mitglieder bestimmte Karnevalstraditionen auf, die sich anteilig auch auf das Soldatentum übertragen lassen.
Der Referent ging in diesem Zusammenhang dann auf Belohnungen und Bestrafungen ein, die nach Recht und Ordnung, nicht willkürlich zu erfolgen haben und gerecht sein müssen, um ein Ausruck einer Wertvorstellung unter Berücksichtigung der persönlichen Würde zu sein.
Dr. Walle schloss seinen Vortrag dann, indem er auf die partielle Vorbildfunktion von bestimmten Personen wie Graf von Stauffenberg, Oscar Kusch oder Napoleon Bonaparte einging und ihren Beitrag zum Wertewandel beleuchtete und dabei aufzeigte, dass bestimmte Werte und Einstellungen, für die diese Personen standen, lange noch nach ihrem Tod nachgewirkt haben.
Im Anschluss an den Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion, bei der Herr Dr. Walle noch Einzelfragen ausführlich beantworten konnte.

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Fregattenkapitän a.D., Militärhistoriker und Autor Dr. Heinrich Walle

JANUAR 2018

Am 11.01.18 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung Die französische Marine im Zweiten Weltkrieg in die Führungsakademie der Bundeswehr. Referent war der Militärhistoriker und Fachbuchautor Dr. Lars Hellwinkel.
Herr Dr. Hellwinkel begann seinen Vortrag mit einer kurzen Sachstandsbeschreibung der Französischen Marine und sortierte diese mit Beginn des Zweiten Weltkrieges an die vierte Stelle des internationalen Rankings bezüglich ihrer Flottengröße.
Er beschrieb anschließend die wichtigsten schwimmenden Einheiten: So war etwas zu hören über die Jean Bart https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Bart_(Schiff,_1940) und Richelieu https://de.wikipedia.org/wiki/Richelieu_(Schiff,_1939) aber auch Dunkerque https://de.wikipedia.org/wiki/Dunkerque_(Schiff,_1935) und Strassbourg https://de.wikipedia.org/wiki/Strasbourg_(Schiff). Er beschrieb sodann die Aufgaben der Marine, die überwiegend zum Schutz der Kolonien und der Sicherung von Geleitzügen von den Kolonien zum Mutterland vorgesehen war. Jean Bart und Richelieu waren dabei ein Gegengewicht zur Deutschen Bismarck-Klasse zu verstehen, Dunkerque und Strassbourg als Gegengewicht zu den deutschen Panzerschiffen der Deutschland-Klasse.
Herr Dr. Hellwinkel legte dann einen Fokus auf den Kriegsbeginn und gab zu verstehen, dass die größeren Einheiten nach Nordafrika, zum Beispiel nach Mers-el-Kébir verlegt wurden und ein großer Zusammenstoß zwischen deutschen und französischen Einheiten ausblieb. In der Folge waren Marinestützpunkte wie Brest "leergefegt", als deutsche Panzertruppen hier eintrafen und hier lediglich gesprengte Tore von Trockendocks und ein paar versenkte Kleinschiffe vorfanden. Dennoch konnten 14 Tage später Teile der Docks z.B. durch deutsche U-Boote genutzt werden.
Herr Dr. Hellwinkel lenkte dann die Aufmerksamkeit auf die "Operation Catapult" https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Catapult, bei der britische Marineeinheiten gegen die in Mers-el-Kébir liegende französische Flotte vorging, damit diese nicht in deutsche Hände fallen konnte.
Das Auditorium erfuhr anschließend von offenbar nicht weit verbreiteten Umständen der Kriegsmarinewerft in Brest: So war davon zu hören, dass der französische Hafenkapitän im Rahmen der Waffenstillstandsvetragsregelungen einwilligte, bei der Herstellung des Arsenals und an Schiffshebungen im Hafenbecken mitzuwirken. Erstaunliche Erkenntnis war dann auch, dass eine Vielzahl an französischen Marinesoldaten im Dienste der Kriegsmarinewerften eingesetzt waren. So gab es eine französische Marinegendarmerie, die die Kontrolle der französischen Werftarbeiter in Brest übernahm. In Bordeaux gab es eine Marinefeuerwehr und französische Soldaten halfen beim Bau von Luftschutzstollen. Offiziere wie einfach Soldaten waren für diverse Aufgaben rund um die Kriegsmarinewerften eingesetzt, während französische Arbeiter z.B. die Reparaturen von Überwassereinheiten vornahmen. Sogar in Hamburg und Kiel wurden französische Werftarbeiter eingesetzt, die Unterbringung in Hamburg war zu damaligen Zeiten in Zeltlagern auf der Jungiuswiese nahe der heutigen Jungiusstraße bzw. dem heutigen Messegelände.
Dr. Hellwinkel erläuterte schließlich noch die Unterschiede der de Gaulle https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Gaulle und dem Vichy-Regime https://de.wikipedia.org/wiki/Vichy-Regime anhängenden Marineeinheiten und schloss seinen Vortrag mit der Erkenntnis, dass die britische Operation Catapult bis in die Jetztzeit noch bei nachfolgenden Generationen von französischen Marineangehörigen negative Nachwirkungen zeige.

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Dr. Lars Hellwinkel

NOVEMBER 2017

Am 09.11.17 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung "Zauber der Polarwelten | Kreuzfahrten von Hapag Lloyd" in die Führungsakademie der Bundeswehr. Referentin war die Polar- und Kreuzfahrtexpertin Trixi Lange-Hitzbleck, die im Rahmen ihrer beruflichen Laufbahn neben vielen Stationen der Touristik und Schifffahrt auch Mitglied der Royal Geographical Society geworden ist und sich in der Vergangenheit auch schon mal für das Marketing des hamburgischen Frachtseglers Rickmer Rickmers verantwortlich zeigte.
Frau Lange-Hitzbleck gliederte ihren Vortrag in zwei Themenbereiche und begann sodann über die "riesige schwimmende Eisscholle" Arktis zu referieren, nachdem sie die Möglichkeiten aufzeigte, mit denen derzeit Schiffsfahrten zur Arktis unternommen werden können. Sie berichtete anhand abwechslungsreicher Foto- und Filmclips über die Besonderheiten der Fauna und der Lebensumstände dort und im arktischen Einflussgebiet lebender Menschen. So gab es etwas zu hören über Eisbären, Walrosse und Schlittenhunde, aber auch über Geophysiker und andere Forscher, über Nordpolarlichter und deren Entstehung, über die Mythologie der Inuit und über "Pfannkucheneis". Die erste Vortragshälfte endete mit der Erkenntnis, dass man im Rahmen einer Nordpolarexpedition mit einem 75.000 PS starken Eisbrecher, der 3m dicke Eisschollen durchbrechen kann, am Nordpol auf einer Eisscholle 7000m über Meeresgrund spazieren gehen oder dort auch eine Partie Golf spielen kann.

Im zweiten Teil ihres Vortrages gab Frau Lange-Hitzbleck einen Einblick in das Thema Antarktis. Tiefenbohrungen hätten ergeben, dass dieser eisüberzogene Kontinent früher ein Regenwald war, was ihn im Umkehrschluss für eine mögliche Ausbeutung von Rohstoffen und Bodenschätzen interessant macht. Frau Lange-Hitzbleck ging auf das Temperaturspektrum auf den subantarktischen Inseln im arktischen Sommer ein und entführte auch hier die Zuschauer mit schönen Bildern oder Videosequenzen in die Fauna und Flora der Arktis. Der Vortrag führte über Erkenntnisse zu Tafeleisbergen, Forschungsstätten, diversen Tierarten (Albatrosse, Buckelwale, Orkas, Robben, Pinguinen), Richtlinien zum Schutz der Natur, Gletscherbewegungen und "Pinguinstraßen" dann zum Ende des Vortrags.

Anschließend nahm die Regionalgruppe Hamburg das um einen Monat vorgezogene traditionelle Grünkohlessen in der gemütlich hergerichteten Offiziersmesse der Führungsakademie wahr, so dass die Vortragsveranstaltung dann bei köstlichem Grünkohl, Kassler und Kochwurst langsam ausklang.

Sollten auch Sie Interesse an maritimen Themen mit historischen Bezügen haben, kommen Sie gerne zu unseren kostenlosen Vorträgen vorbei. Sie müssen übrigens kein DGSM-Mitglied sein.

Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte im Idealfall bis 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter, Herrn Dr. Schulze-Wegener, auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/
 

Polar- und Kreuzfahrtexpertin Trixi Lange-Hitzbleck

FEBRUAR 2017

Am 09. Februar 2017 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zum Vortrag "Aufgaben der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU)" in die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Der von Herrn Volker Schellhammer (Direktor der BSU) gehaltene Vortrag schien auch bei einigen Gastzuhörern großes Interesse geweckt zu haben, die zahlreich teilnahmen und den Referenten zusammen mit unseren eigenen Mitgliedern mit etlichen Fragestellungen konfrontierten. Herr Schellhammer begann seinen Vortrag aber zunächst mit einer Betrachtung der Entstehungsgeschichte seiner in Hamburg ansässigen Behörde, die übrigens völlig unabhängig agiert. Nach seinen Ausführungen habe die Havarie des Frachtschiffes "Pallas" im Jahr 1998 vor der Küste Schleswig-Holsteins (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Pallas_(Schiff)) zu einem Umdenken in Deutschland geführt und mündete neben anderen Faktoren sowohl in der Gründung des Havariekommandos als auch in der Gründung der BSU im Jahr 2002. Herr Schellhammer gab anschließend einen kurzen Überblick über den rechtlichen Rahmen, in dem seine Behörde tätig ist (z.B. europarechtliche Richtlinien, Seesicherheitsuntersuchungsgesetz, etc.).
Schließlich skizzierte er den Aufgabenbereich der BSU, der hauptsächlich die Untersuchung schwerer Seeunfälle (Unfälle mit Toten, Brand, Explosion, Grundberührungen mit schweren Folgen wie z.B. Umweltverschmutzungen und Totalverlusten) in deutschen Küstengewässern, aber auch schwere Seeunfälle mit deutschen Schiffen in internationalen Gewässern und entsprechende Vorfälle mit Todesfolgen von deutschen Staatsbürgern auf ausländischen Schiffen umfasst. Sachverhalte der Binnenschifffahrt oder im Zusammenhang mit Marineschiffen, letzere werden von der Bundeswehr übrigens selber untersucht, fallen nicht in sein Aufgabengebiet.

Seine Behörde analysiert demnach aus technischer Sicht den Seeunfall, versucht Missstände oder Defekte zu erkennen, erstellt einen Untersuchungsbericht und gibt eine Empfehlung, wie derartige Ereignisse zukünftig vermieden werden können. Herrn Schellhammer war es dabei wichtig herauszustellen, dass seine Behörde keine Schuldzuweisungen macht oder Haftungsfragen klärt, sondern ausschließlich eine technische Analyse zur zukunftsorientierten Gefahrenabwehr betreibt, die auch von 75% der betroffenen Schiffseigner angenommen und dann zukünftig in der eigenen Flotte umgesetzt wird. Herr Schellhammer präsentierte schließlich noch ein paar Statistiken, die aufzeigten dass es 2015 genau 268 Seeunfälle gab, wovon acht in die Kategorie "sehr schwer" und 16 in die Kategorie "schwer" fielen. Schließlich wurde das Auditorium noch über die personelle Zusammensetzung seiner Behörde informiert, die demnach aus 12 Mitarbeitern besteht ( 6 Untersucher, 4 Kapitäne, 1 Schiffbauer,1 Juristin). In naher Zukunft soll der Mitarbeiterkreis noch um einen Fachmann für Schiffsmaschinen erweitert werden.
Ausklingen ließ Herr Schellhammer seinen Vortrag noch mit Fallbeispielen zu Vorfällen, die eine Tätigkeit seiner Behörde nach sich zog:

- MSC FLAMINIA, die Feuer fing und auf der in mitgeführten Containern nach einer außer Kontrolle geratenen Polymerisation Inhaltsstoffe explodiert sind, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/MSC_Flaminia
- LISCO GLORIA, bei der ein nahe der Bordwand befindlicher LKW in Brand geriet, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Lisco_Gloria. Da der Kapitän bereits 9 Minuten nach Brandausbruch das Schiff evakuieren ließ, gab es keine Toten.
- CONDOR (Fischkutter), der aufgrund eines Stabilitätsproblems umkippte und 2 Tote forderte, siehe http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Warum-sank-der-Fischkutter-Condor,condor144.html
- NORMAN ATLANTIK, die in der südlichen Adria havarierte und mindestens elf Todesopfer zu beklagen hatte, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Norman_Atlantic
- COSTA CONCORDIA, die im Rahmen einer ufernahen Fahrt von einem Unterwasserfelsen aufgerissen wurde, was zu vielen Todesfällen führte, nachdem der Wassereinbruch zu einem Maschinenausfall führte und durch ein nicht (mehr) funktionierendes Notstromaggregat nicht kompensiert werden konnte, siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Costa_Concordia

Dabei wurde anhand der Fallbeispiele auch deutlich, welche einschneidenden Schwierigkeiten im Umgang mit ausländischen Behörden und Staatsanwaltschaften im Rahmen einer solchen Untersuchung in Kauf genommen werden mussten.

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Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte bis 7 Tage vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/
 

Volker Schellhammer (Direktor der BSU)

JANUAR 2017

Am 12. Januar 2017 besuchte Wolfgang Kopitzsch, Historiker und Polizeipräsident a.D. die DGSM e.V. Regionalgruppe Hamburg und hielt einen Fachvortrag zum Thema Wasserschutzpolizei Hamburg - eine geschichtliche Betrachtung von 1900 bis 1950. Neben den Mitgliedern waren auch Gäste des Museumshafens Oevelgönne zugegen, die u.a. die ehemalige Polizeibarkasse Otto Lauffer unterhalten und dem Thema somit sehr zugewandt waren. Herr Kopitzsch begann seinen Vortrag mit einer allgemeinen Betrachtung der heutigen Polizei Hamburg, ihrer Organisationsstruktur und Personalzusammensetzung und leitete dann über zu einer Zustandsbeschreibung der Verhältnisse in Hamburg um 1900. So stand Hamburg zu diesem Zeitpunkt im Ranking der größten Städte der Welt auf Platz 13 (heute: Platz 138), hatte den größten Hafen des Kontinents und beschäftige ca. 20.000 Hafenarbeiter sowie 20.000 Werftarbeiter. Der Hafen war hochfrequentiert, musste sich somit aber auch mit diversen Kriminalitätsformen auseinandersetzen, so dass Hamburg eine gut aufgestellte Hafenpolizei unterhielt, die neben der Kriminalitätsbekämpfung auch den Schiffsverkehr zu überwachen hatte. 1896 wurde für die Hafenpolizei die erste Motorbarkasse (Dampfmaschine) angeschafft; die Leitung der in drei Distrikte unterteilten Behörde hatte ein Kapitän. Herr Kopitzsch zeigte anhand diverser Statistiken, dass die Hafenpolizei an Aufgaben und Personal stetig wuchs, im Jahr 1914 so z.B. bereits 212 Beamte umfasste, elf Dampfbarkassen unterhielt und Hamburg zu dieser Zeit bereits 1 Million Einwohner hatte. Er ging dann auf die größeren gesamtpolizeilichen und gesellschaftspolitischen Zusammenhänge im Rahmen der weiteren Entwicklung der Polizeibehörde in und vor den Kriegsjahren ein, zeigte Kasernierungen auf, verwies auf erhebliche personelle Aufstockungen und Strukturveränderungen in der Organisation und erläuterte schließlich die paramilitärische Bewaffnung von Einheiten innerhalb der Polizei vor dem Hintergrund der Machtübernahme. Herr Kopitzsch beleuchtete anschließend kurz die Reichswasserzuständigkeiten, zeigte die Beteiligung der Hafenpolizei und Gesamtpolizei bei der Niederschlagung von Aufständen in Hamburg auf und ging auch auf die 1937 einschlägige Aufgabenerweiterung der dann auch als solche bezeichneten Wasserschutzpolizei im Bereich der Unterelbe von Lauenburg bis zum hamburgischen Amt Ritzebüttel in Cuxhaven ein. Er zeigte die Folgen der Kriegsjahre (WK2) auf, in denen viele Beamte durch ehemalige Pensionäre ersetzt wurden, da erstere Dienst in die Marineküstenpolizei versehen mussten, einer Sicherungstruppe der deutschen Kriegsmarine zur Überwachung des Küstenvorfeldes, der Flussmündungen, Flüsse und schiffbaren Binnensee. Herr Kopitzsch riss noch kurz einige Eckpfeiler der Nachkriegsjahre an (z.B. die Kooperationen mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein) und ließ seinen Vortrag in der Herausstellung einiger Persönlichkeiten (z.B. Bruno Georges) enden, die eine maritime Karriere nachweisen konnten und später hohe Polizeifunktionäre wurden.

Sollten auch Sie Interesse an maritimen Themen mit historischen Bezügen haben, kommen Sie gerne zu unseren kostenlosen Vorträgen vorbei. Sie müssen kein DGSM-Mitglied sein. Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte bis ca. 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn erfolgen.

Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter, Herrn Albrecht Stender, auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/

Polizeipräsident a.D. und Historiker Wolfgang Kopitzsch

DEZEMBER 2016:

VORTRAGSVERANSTALTUNG/RÜCKBLENDE: Am 8. Dezember 2016 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zum Vortrag "Zur Entwicklung der chinesischen Marine" in die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Der von Dr. Sarah Kirchberger, (Ruhr Universität Bochum) gehaltene Vortrag schien auch bei zahlreichen Angehörigen der Führungsakademie großes Interesse geweckt zu haben, da auch der Hörsaal Marine des LGAI 2016/17 sowie der Leiter Kapt.z.S. Naumann teilnahmen.
Frau Dr. Kirchberger begann ihren Vortrag mit einer aktuellen Mediendarstellung von Vorgängen im Zusammenhang mit der Marine der Volksrepublik China und kritisierte einen aus ihrer Sicht  unangemessenen Umgang mit der gegenwärtigen Entwicklung der chinesischen Marine. So würde ein Bild einer großangelegten Flottenaufrüstung mit dem Ziel der Verfolgung einer aggressiven Expansionspolitik gezeichnet werden, in einigen US Medien sei sogar vom zukünftigen Feind des nächsten Kalten Krieges zu lesen. Inselaufschüttungen im Südchinesischen Meer, der Bau eines geheimen U-Bootstützpunktes auf Hainan mit der Fähigkeit, U-Boote getaucht auslaufen zu lassen, der Aufbau eines globalen Stützpunktsystems sowie ein ansteigender Ausbau von Flottenteilen würden dieses Bild unterfüttern und mittlerweile auch eine gewaltige Rüstungsspirale im U-Bootbauprogramm der Chinaanrainer nach sich ziehen.   
Frau Dr. Kirchberger wollte dem Publikum nun eine Perspektive aus chinesischer Sicht darlegen und anschließend analysieren, wie die derzeitige Entwicklung der chinesischen Marine einzuschätzen sei. Sie stellte dabei alle zuvor beschriebenen, auf den Westen und die chinesischen Anrainer bedrohlich wirkenden Aktionen in den Kontext, dass China lediglich versuche, das bestehende Herrschaftssystem zu erhalten und das Schicksal der ehemaligen UdSSR (Zerfall) zu vermeiden. Ferner sei China bestrebt, die territoriale Integrität zu garantieren, seine Nachschubwege zu sichern und für sein Verständnis historische Souveränitätsansprüche weiterhin geltend zu machen (Taiwan-Konflikt). Frau Dr. Kirchberger führte an, dass Chinas Bau von Stützpunkten entlang wichtiger Seewege (z.B. in Djibouti) auf öffentliche Medienkritik stieß, aber andere Nationen wie Japan und Indien in Djibouti längst Auslandsstützpunkte ohne durchschlagende Medienkritik unterhalten. Sie führte an, dass Frankreich, die USA und das Vereinigte Königreich ebenfalls Stützpunkte an wichtigen Seewegen und in ehemaligen Kolonien hätten, diese aber keinerlei Medienkritik auf sich zögen, während jeder chinesische Schritt in diese Richtung kritisch hinterfragt würde.
Frau Dr. Kirchberger gab dann den geografischen Blick auf eine sichelförmige Umzingelung Chinas durch konfliktbelastete, teilweise atomwaffenfähige Länder frei, die gleichzeitig auch eine Bedrohung der für Chinas Wirtschaft wichtigen freien See- und Nachschubwege darstellen. Sie legte ferner den Fokus auf Chinas maritime Geografie, die Marineübungen mit chinesischen Flotten unter Beteiligung von Atom-U-Booten im Gelben Meer bei gerade mal 44m bis 152m Wassertiefe  oder im Falle des Ostchinesischen Meeres mit überwiegend weniger als 200m Wassertiefe als durchaus problematisch erscheinen lassen und somit keine gute Ausgangslage für professionell eingespielte und vielfältigen Einsatzsituationen gewachsenen Marineeinheiten darstellt. Weiter führte sie an, dass die Größe der chinesischen Marine auch stets im Verhältnis zu seinen erheblichen Küstengebieten zu sehen sei. Vor diesem Hintergrund erschloss sich für den Zuhörer eine durchaus andere Draufsicht auf die aktuellen chinesischen Aktionen und das Aufwachsen der Marine der Volksrepublik China. Doch wie ist das Fähigkeitsprofil und die Entwicklung der chinesischen Marine im Vergleich mit anderen Marinen zu sehen? Frau Dr. Kirchberger zog hierfür die Struktur einer Flotte, die Aufschlüsselung nach Klassen, das Alter und die Fähigkeit der Waffensysteme und die Größe der Flotte, aber auch den Ausmusterungszyklus von alten Schiffen zu Rate. Sie kam zu dem Ergebnis, dass China sehr wohl in den Ausbau seiner Flotte vor dem Hintergrund der Konfliktsituationen in den Gewässern rund um China investiert, um eben seine nachvollziehbaren Ziele verfolgen zu können. Bezüglich des Fähigkeitsprofils sieht sie die chinesischen Marine auf der Schwelle zur Stufe 3, wenn der Flugzeugträger "Liaoning" einsatzfähig ist, was nunmehr der Fall zu sein scheint. Damit wäre China auf gleicher Stufe wie Indien; die USA sind Stufe 1. Bezüglich der Flottenquantität gemessen an der Größe des zu überwachenden Seegebietes sieht sie China derzeit auf gleicher Stufe wie Malaysia.
Vor diesem Hintergrund schloss Frau Dr. Kirchberger ihren Vortrag mit der Feststellung, dass vernünftigere Maßstäbe bei der Betrachtung der "chinesischen Bedrohung" anzulegen sind und das Interesse an einem überregionalen Ausbau von Stützpunkten nachvollziehbar erscheint, wenn 62 Prozent der 29 bedeutendsten Handelsnationen hochseefähige Streitkräfte unterhalten. Frau Dr. Kirchberger betonte zudem abschließend, dass es derzeit aus Sicht Chinas kein offizielles maritimes Feindbild gibt.
Der Flugzeugträger "Liaoning" wird von den Chinesen übrigens als "Totem des Meeres", also gewissermaßen als "nationaler Schutzgeist" angesehen, während die US-Navy ihre Träger als "Effektivste Diplomaten der Welt" sieht.

Mehr zu Thema ist nachzulesen im Buch von Frau Dr. Sarah Kirchberger "Assessing China's Naval Power -Technological Innovation, Economic Constraints, and Strategic Implications" - ISBN: 978-3-662-47126-5 (Print) 978-3-662-47127-2 (Online)

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Dr. Sarah Kirchberger, (Ruhr Universität Bochum)

OKTOBER 2016:

Am 13. Oktober 2016 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zum Vortrag Der Große Nordische Krieg / Wrackfund der Prinzessan Hedvig Sophia in die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Der von Dr. Joachim Krüger (Uni Greifswald) gehaltene Vortrag schien auch bei tauchenden DGSM-Mitgliedern großes Interesse geweckt zu haben, da auch einige Wracktaucher der DGSM teilnahmen.
Dr. Krüger begann seinen detailreichen Vortrag über das 1715 vor Bülk auf Grund gesetzte schwedische Linienschiff mit dem Wrackfund von 2008 und teilte mit, dass das Wrack das allererste Unterwasserdenkmal in Schleswig-Holstein war. Er verwies kurz auf die Ausstellung "Segel, Degen und Kanonen", die 2015 in der Reithalle von Schloss Gottorf stattgefunden hatte und ging dann auf zeitgenössische und andere Abbildungen oder Gemälde vom Schiff und anderen Schiffen seiner Zeit ein. Weiter ging er dann auf den Phänotypus des Schiffes ein, der sich anhand anderer zur gleichen Zeit existenter Schiffe, einiger Admiralitätsmodelle (Modellschiffe) und einiger zeitgenössischer Bilder anderer Schiffe offenbar gut rekonstruieren ließ. Auch die Farbgebung der damaligen Schiffe lässt sich laut Dr. Krüger anhand von Gemälden aus damaliger Zeit (z.B. der "Enigheden", einem Linienschiff 1. Ranges mit 96 Geschützen) gut nachvollziehen.
Weiter hörte man im Vortrag, dass das von Schiffbaumeister Francis Sheldon in Karlskrona angefangene und von seinem Bruder Charles Sheldon 1692 zuerst unter dem namen Drottning Ulrika Eleonora fertiggestellte Schiff, das später in Wenden und dann schließlich in Prinzessan Hedvig Sophia umbenannt wurde, mit den Außmaßen 47,5m Länge, 12,2 m Breite und 5,6 m Tiefgang ein Linienschiff 2. Klasse in der Ausführung eines Zweieinhalbdeckers (kein durchgehendes bewaffnetes Oberdeck) war.
Dr. Krüger gab ein paar Rahmendaten zur Bewaffnung (größter Kaliber 24 Pfund) und zur mutmaßlichen Besatzungsstärke (400 Mann plus 70 bis 80 Seesoldaten) und ging dann auf damalige Gefechtstaktiken ein. Dabei zeigte er den immensen materiellen und ideellen Wert eines Segelkriegsschiffes zu damaliger Zeit auf und führte an, dass üblicherweise vorsichtiges Taktieren bei den dänischen und schwedischen Flotten vorherrschte, um kostbare Schiffsverluste möglichst zu vermeiden. Demnach sei das Nebeneinanderherfahren in Kiellinie und das Beschießen aus der Distanz oftmals einem Enterkampf vorgezogen worden, eben um einen Schiffsverlust mit entsprechendem Image- und Wertverlust für die jeweilige Krone vorzubeugen. Anders verhielt es sich jetzt hier in der Seeschlacht bei Fehmarn (April 1715), wo ein doppelt so großes Geschwader dänischer Schiffe dem schwedischen Feind gegenüber stand. Die Schweden gelangten somit in Unterzahl in die Defensive und sahen sich mit der Situation konfrontiert, nahezu wehrlos die eigenen Schiffe an den Feind abtreten zu müssen. Nur eine Selbstversenkung bzw. Strandung und Selbstzerstörung der eigenen Schiffe konnte diesem Unheil noch entgegenwirken, was im Falle der Prinzessan Hedvig Sophia auch umgesetzt wurde: Sie war nicht mehr zu retten und verblieb in den Gewässern vor dem heutigen schleswig-holsteinischen Bülk (Kieler Förde), zumal das Unterwasserschiff bereits in der Seeschlacht bei Fehrmarn 13 Treffer abbekam.
Dr. Krüger skizzierte nach der Beschreibung des Schicksals des Schiffes sehr ausführlich die allgemeine politische Situation im Ostseeraum und beleuchtete dabei insbesondere die Schlüsselposition des Herzogtums Gottorf-Schleswig-Holstein und die sogenannten "Gottorfer Frage", also ein Politikum zwischen der dänischen und schwedischen Krone und warf auch einen Blick auf die zunehmende Wichtigkeit der Rolle Russlands in der Ostsee. 
Anschließend legte er nochmals ein Schlaglicht auf das Schicksal des Wracks der Hedvig Sophia (Abbruch des Überwasserschiffes, Zerfall des Unterwasserschiffes im Rahmen von Gezeiten, Eisgang, Wellengang etc.) um anschließend das Fazit zu ziehen, dass die Ereignisse rund um das Ende des Schiffes Prinzessan Hedvig Sophia eine Ehrenrettung Dänemarks darstellten.
Er stellte dabei auch die besondere Rolle vom dänischen Käpitän Peter Wessel in den Vordergrund, der später als Tordenskiold ("Donnerschild") in die dänisch-norwegische Geschichte eingehen sollte.

Mehr zum Schiff siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Prinsessan_Hedvig_Sophia

Sollten Sie themenbezogene Literatur suchen, ist nachfolgender Link vielleicht hilfreich:
https://www.sandstein.de/hedvig-sofia/
Am rechten der beiden dort abgebildeten Bücher hat Herr Dr. Krüger als Autor mitgewirkt.

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Der Referent Dr. Joachim Krüger, Uni Greifswald

MAI 2016:

Am 12. Mai 2016 besuchte Dr. Gerd Wegner die DGSM Regionalgruppe Hamburg und hielt einen Vortrag zum Thema DAS GEHEIMNIS DER BÄRENINSEL - FISCHEREIVERSUCHE ALS TARNUNG FÜR DEUTSCHE KOLONIALGELÜSTE 1898 bis 1900.
Herr Dr. Wegner, der am Johann Heinrich von Thünen-Institut, am Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei sowie am Institut für Seefischerei tätig ist, skizzierte zunächst kurz die politische und industrielle Situation im Deutschen Kaiserreich im Jahr 1898 und ging dann auf die geografischen Gegebenheiten der Bäreninsel, jener 178 km² großen damals herrenlosen Insel zwischen dem Nordkap und Spitzbergen im Nordpolarmeer, ein.
Er fokussierte die Aufmerksamkeit schließlich auf die Person Theodor Lerner (Polarforscher und Journalist, *1866 in Antweiler, † 1931 in Frankfurt am Main) und schilderte dessen schrittweise private Inbesitznahme von Teilen der Insel. Lerner plante eine touristische Nutzung der Bäreninsel und wollte auch die dort vorhandenen Kohle- und Phostphatvorkommen erschließen. Er gründete zu diesem Zweck zusammen mit der Hamburger Reederei Knöhr & Burchard die Deutsche Bäreninsel-Gesellschaft.
Herr Dr. Wegner ging anschließend auf den Deutschen Seefischerverein (DSV) ein, der zur gleichen Zeit mit der SMS Korvette Olga ins Nordpolarmeer fuhr und Fischereiversuche auch auf den nicht von Lerner besetzten Teilen der Insel unternahm. Lerner, der zwischenzeitlich sogar spöttisch von den Norwegern als "Tåkefyrsten" (= Nebelfürst) der Bäreninsel" bezeichnet wurde, wurde schließlich sogar aus der Deutschen Bäreninsel-Gesellschaft gedrängt, denn er störte unwissentlich eine geheime Erkundungsmission. Das vom Referenten Dr. Wegner schließlich offenbarte "Geheimnis" dieser Fischereiversuche des DSV mit der SMS Olga lag nämlich letztlich darin, dass die Besatzung eine Geheimmission des Deutschen Kaisers durchführte: Sie sollte erkunden, ob sich die Insel als kolonialer Gegenpol zu einer sich abzeichnenden russischen Ausbreitung im Nordpolarmeer eignete. Als aber die russische Ausbreitung im Nordpolarmeer nicht weiter vorangetrieben wurde und auch die wirtschaftliche Ausbeutung der Insel nur mittelmäßige Erfolge versprach, wurden die kaiserlich-deutschen Kolonialbemühungen auf der Bäreninsel letztlich eingestellt. Mehr zum Thema siehe z.B. "Klaus Barthelmess: Bäreninsel 1898 und 1899: Wie Theodor Lerner eine Geheimmission des Deutschen Seefischerei-Vereins zur Schaffung einer deutschen Arktis-Kolonie unwissentlich durchkreuzte" http://epic.awi.de/28975/" oder z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Lerner Mehr zur Bäreninsel: https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4reninsel

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Referent Dr. Gerd Wegner

MÄRZ 2016:

Am 10. März 2016 besuchte Dr. Heinrich Walle, Fregattenkapitän a.D., Militärhistoriker und Autor, die DGSM e.V. Regionalgruppe Hamburg und hielt einen Fachvortrag zum Thema Die Entstehung der Seewarte Hamburg. Als Gastzuhörerin der Veranstaltung besuchte uns auch die Präsidentin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Frau Monika Breuch-Moritz, die die heutige Nachfolgeinstitution der damaligen Seewarte Hamburg leitet.
Herr Dr. Walle visualisierte seinen Vortrag mit teilweise historischem Karten-, Foto- und Skizzenmaterial und leitete diesen mit einer Beschreibung der Wirtschaftslage und der Quantität und Zusammensetzung der britischen und deutschen Handelsflotten vor 1881 ein. Anschließend ging er auf das Führen von Rahseglern ein und beschrieb, wie umständlich das Navigieren mit diesen frachttragenden Schiffen war und dass diese teilweise nur bei bestimmten Windrichtungen und Wasserströmungen über Grund bewegt werden konnten. Schließlich lenkte Herr Dr. Walle die Aufmerksamkeit auf Persönlichkeiten der Zeitgeschichte (z.B. M.F. Maury, Georg von Neumayer, Wilhelm von Freeden) , die die Navigation mit Handelsschiffen (Segel und Dampf) nach Reiseroutenempfehlungen auf wissenschaftlicher, teils meteorologischer und ozeanografischer Basis ("Wissen um Strömungen und Winde") vorantrieben und gleichzeitig Forschung auf diesem Gebiet betrieben. Diese Bemühungen mündeten schließlich in der 1881 persönlich von Kaiser Wilhelm I. eingeweihten Norddeutschen Seewarte in Hamburg, die dem Chef der Admiralität der Kaiserlichen Marine unterstand. Deutsche Reeder wurden zur Förderung der Seewarte verpflichtet und Kapitäne dieser Reedereien wurden angehalten, Informationen über Wind- und Wetterlagen, Strömungen und Reisefortschritt in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Position zu sammeln, die von der Seewarte später ausgewertet wurden und Ihren Niederschlag in für die Seefahrt abrufbaren Routenempfehlungen fanden.
Diese ermittelten Routen haben übrigens heutzutage immer noch Bestand. Die Seewarte hatte also die Förderung und Sicherheit des Seeverkehrs zum Ziel und war ein außeruniversitäres Forschungsinstitut, das stets eine Gratwanderung zwischen praktischer Anwendung und Forschung zu vollziehen hatte. Sie und ihre Vorgeschichte war die bahnbrechende Ausgangsbasis für deutsche Nautiker zur Förderung von naturwissenschaftlichem Denken im Zusammenhang mit der Navigation von Schiffen.

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Dr. Heinrich Walle, Fregattenkapitän a.D., Militärhistoriker und Autor

FEBRUAR 2016

Am 11. Februar 2016 besuchte Ernst-Otto Schuldt, Erster Polizeihauptkommissar (EPHK) a.D. der Wasserschutzpolizei Hamburg die DGSM e.V. Regionalgruppe Hamburg und hielt einen gut besuchten Fachvortrag zum Thema Wasserschutzpolizei Hamburg - eine historische Betrachtung. Herr Schuldt visualisierte seinen Vortrag mit historischem Karten- und Fotomaterial und leitete diesen mit einer Zustandsbeschreibung des Hamburger Hafens vor 1787 ein.
So waren viele heutige Hafengebiete noch gar nicht existent, viele Schiffe mussten im Binnen- und Niederhafen tatsächlich vor Anker gehen und die vorhandenen Hafenanlagen wurden in den Abendstunden zum Schutz der Schiffe, Ladungen und Bevölkerung mit im Wasser verketteten BAUMstämmen zum Wasser hin gesichert. Herr Schuldt ging auch kurz auf hafenseitige Bastionen ein, die in die damals vorhandenen Wallanlagen zur Verteidigung der Stadt integriert waren.
Trotz der Sicherungsvorkehrungen und Bastionen ist es offenbar stetig zu erheblichen Ladungs- und Warendiebstählen gekommen, was Mitte des 18. Jahrhunderts von der Hamburger Kaufmannschaft mit einer Petition an die Commerzdeputation (heute: Handelskammer) beklagt wurde. 1755 schlugen die Kaufleute vor, nachts "zwei Mann innerhalb des BAUMES mit zwei Jollen eine Nachtwache" durchführen zu lassen, was die Admiralität aber ablehnte. Die Diebstähle gingen also weiter und die Kaufmannschaft beklagte sich in der Folge immer wieder bei den öffentlichen Stellen und der Commerzdeputaion. Als eine in England bestellte "Zollyacht" 1886 in Hamburg eintraf, war dann aber ein erster Schritt in Richtung Kriminalitätsbekämpfung und -prävention im Hafen beschritten worden. Als schließlich "drei Patrouillen zu Wasser und zu Land; zu Tag und zu Nacht" unter dem Kommandanten der Zollyacht standen und diese Patrouillen nach Verabschiedung durch den Senat und mit Einverständnis der Hamburger Bürgerschaft am 26. Oktober 1787 etabliert wurden, war dies die Geburtsstunde einer der ältesten Hafenpolizeien der Welt.
Herr Schuldt ging dann auf Begleitumstände der Gründer- und Nachfolgezeit ein, schilderte die damalige Ausrüstung, Bezeichnungen ("Officianten"), Uniformierung und Besoldung und ging auch auf die Dienstzeiten (24 Stundenschichten bei verbotenem Schlaf im Dienst) und Dienstvorgaben ein. Er schilderte dem Publikum schließlich diverse Personalaufstockungen, die i.d.R. mit Patrouillengebietserweiterungen (Holzhafen, Petroleumhafen) und Aufgabenerweiterungen ("Sturmflutwarnung durch Geschrey vor hohem Wasserstande", Wachaufgaben im hochsensiblen Petroleumhafen) einhergingen.
Herr Schuldt ging auch auf damals zulässige Verdienste aus Nebentätigkeiten sowie auf die sogenannten "Sporteln" ein, die als Summe den Lebensunterhalt der Hafenpatrouillen bildeten und zeigte auch auf, wie sich der wesentlich höhere Sold des Vorgesetzten/Kommandanten zusammensetzte und welche Stellung und Rechte dieser als disziplinarischer Vorgesetzter hatte. Er schilderte diverse Umstrukturierungen und Umbenennungen im Laufe der Jahrzehnte (Hafenpatrouille, Hafenrunde, Hafen- und Alsterpolizei, Hafenpolizei), zeigte und erklärte noch einige historische Fotos von Patrouillen- und Hafenstreifenbooten und schloss seinen Vortrag dann mit einem 3 minütigen Imagefilm über die aktuellen Aufgaben und Einsatzmittel der Hamburger Wasserschutzpolizei von heute.
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Erster Polizeihauptkommissar a.D. Ernst-Otto Schuldt

JANUAR 2016:

Am 14. Januar 2016 besuchte Dirk Fry, Geschäftsführer der Vertragsreederei COLUMBIA SHIPMANAGEMENT (CSM) die DGSM Regionalgruppe Hamburg und hielt einen Fachvortrag über Modernes Internationales Schiffsmanagement vor großem Publikum, das sich neben etlichen DGSM-Mitgliedern auch aus zahlreichen Gästen in Form von uniformierten Offizieren unterschiedlicher Nationen der Führungsakademie zusammensetzte. Herr Fry leitete den Vortrag mit dem Satz ein, dass 90% alle Güter weltweit per Schiff befördert würden, um die Dimension und Rolle der Schifffahrt im Welthandel zu verdeutlichen. Anschließend gab er einen historischen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Vertragsreedereien, die sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelten und durch Steuervergünstigungen, Investitionszulagen und Subventionen eines bestimmten Landes günstige Situationen für eine Entwicklung dieses Wirtschaftsmodells vorfanden. Weiteren Aufwind gewannen Vertragsreeder in den 1980er-Jahren durch Ausflaggungsmöglichkeiten und in den 1990er-Jahren gab es durch eine Marktöffnung der UdSSR erneut Wachstumsmöglichkeiten, die auch ausgenutzt wurden. Im Jahr 2000 erlangten Vertragsreedereien dann sogar ISO-Zertifizierungen und fanden, nachdem es eine Nachfrage nach Umweltaspekten, Qualität, Sicherheit und effizienteren und kostengünstigeren Schifffahrtsmodellen gab, ebenfalls ein weites Betätigungsfeld vor. Herr Fry lenkte den Focus dann auf den Standort Zypern, den Hauptsitz der CSM. Der Staat habe dort in Bezug auf politische ökonomische und soziale Belange sehr früh die Bedeutung der Schifffahrt erkannt und in der Folge so gute Rahmenbedingungen geschaffen, dass Zypern sich später zum größten Schifffahrtsstandort in der EU entwickeln konnte. CSM habe sich 1978 unter diesen günstigen Rahmenbedingungen durch die Schoeller Holdings LTD in Zypern gegründet und seine Standorte auf diversen Kontinenten von hier aus stetig ausgebaut. Auch in Hamburg gibt es mittlerweile eine Niederlassung. Herr Fry skizzierte dann schließlich ausführlich das Portfolio von CSM, so dass es allerlei Fakten über Technisches Management, Crew Management, Kommerzielles Management, Neubauaufsicht, Kreuzfahrtschiff Management und Value Added Services zu hören gab, die er mit einem Fazit schloss, dass die Schifffahrt zwar momentan einer Krise unterläge, es aber trotzdem noch reichlich Tätigkeit im Wirtschaftsmodell "Schifffahrtsmanagement/Vertragsreederei" zu verzeichnen gäbe.
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Referent Dirk Fry

DEZEMBER 2015

Am 10.12.15 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg in die Führungsakademie der Bundeswehr zum Vortrag vom frisch promovierten Dr. Nicolai Clarus zum Thema VON VITALIENBRÜDERN UND AUSLIEGERN - DER FALL BARTHOLOMÄUS VOET UND GESELLSCHAFT. Herr Dr. Clarus begann seinen Vortrag mit einer kurzen Skizzierung der "berühmtesten" Vitalier (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Vitalienbr%C3%BCder#Das_Ende_der_Vitalienbr.C3.BCder) Gödecke Michels und Klaus Störtebeker. Es war hier entgegen landläufiger Meinung zu erfahren, dass die Geschichten und Ereignisberichte über den Seeräuber Störtebeker (https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_St%C3%B6rtebeker ) sich sehr wahrscheinlich nicht auf eine einzige Person, sondern auf mehrere Personen mit gleichem Namen beziehen und hierüber Berühmtheit im Norddeutschen Raum erlangten, der bis heute anhält. Dr. Clarus stellte nun heraus, dass es auch weniger berühmte Seeräuber gab und es Erkenntnisse gibt, dass das Ende der Vitalienbrüder nicht etwa um 1400 herum eintrat. Er skizzierte in diesem Zusammenhang den Konflikt zwischen den Grafen von Holstein (Schauenburg) und dem Dänischen König Erik VII von 1416 bis 1435. Er stellte fest, dass sich beide Konfliktparteien bestimmten "Ausliegern" der Vitalienbrüder bedienten, um bestimmte Vorhaben durchzusetzen. Er machte dies an der Person Bartholomäus Voet fest und zeigte auf, dass offenbar ab dem Jahr 1416 wieder Tätigkeiten der Vitalienbrüder in der Ostsee feststellbar waren. Die anwesenden Zuhörer des Vortrags erfuhren nun etwas über das 1850 von Heinrich Smidt veröffentlichte Buch "Der Bergenfahrer", das vom "Greisen Seekönig Barthel Voet " erzählte, der eine spanische Frau hatte und die Stadt Bergen überfiel. Dieses Buch mit seinen enthaltenen Fakten und Fiktionen war der Ausgangspunkt seiner Recherchen in diversen Stadtchroniken und Hanse-Akten und führte nun zu mehreren Theorien über die Existenz der Person Voet, die er dem Publikum vorstellte. Dr. Clarus versuchte anschließend eine Biografie von Bartholomäus Voet nach bisherigen Erkenntnissen zu präsentieren, die anhand der Stadtchroniken und Akten der Hanse bestätigt scheinen:
* 1427 wurde Voet in England durch die wendischen Hansestädte Hamburg, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Lüneburg angeworben.
* 1428/1429 führte er Angriffe gegen das norwegische Bergen aus
* 1430 war er beteiligt an der Blockade des Handelsverkehrs vor der Küste Livlands (Reval)
* 1431 war Voet beteiligt an der Eroberung Flensburgs. Es folgte ein Anwerbegesuch des Deutschen Ordens
* 1434 Erwerb des Bürgerrechts in Wismar
* 1441 Kaperfahrer in Diensten Lübecks gegen die Grafen von Holland
* 1458 Konvoiführer einer Lübecker Baienflotte (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Baienfahrt) , vermutlich ist Voet hier im Zuge eines englischen Überfalls ums Leben gekommen.

Dr. Clarus skizzierte Voet als Fehdehelfer der Hansestädte, als Kriegsprofessionellen zur See. Er war sehr wahrscheinlich ein durchsetzungsfähiger und gefährlicher, aber auch taktisch versierter und berechnender Anführer. Er war ein gebildeter und kluger Krieger. Kein Seeheld wie einst Störtebeker und Michels, aber eine Notwendigkeit seiner Zeit...

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Referent Dr. Nicolai Clarus
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