Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V.
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Sozialgeschichte der Seefahrt

Blick in die Kombüse des Bergungsschleppers Seefalke, Bj. 1924, Foto: Satu Panzner

Die Sozialgeschichte der Seefahrt ist ebenfalls ein eher vernachlässigtes Kapitel der Geschichte. Zwar gibt es mittlerweile einige Publikationen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leuten auf See. Dennoch gehört es nicht zu den Forschungsschwerpunkten der Historiker diesen spannenden Themen auf den Grund zu gehen. Dies liegt sicherlich jedoch auch an mangelnden schriftlichen und mündlichen Quellen, bzw. daran, dass die vorliegenden Quellen nur eine sehr spärliche und einseitige, jedoch keine Verallgemeinerungen zulassen.
Dennoch lohnt die Erforschung und Dokumentation der Sozialgeschichte der Seefahrt...

Zur Sozialgeschicht der Seefahrt - wir unterscheiden hier nicht nach zivilen oder marinetechnischen Kategorien, da auf See jeder ein Mensch ist - egal in welchem Rang er/sie sich befindet.  Auf See sind alle gleich - zumindest aus Sicht der See. Jeder hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen - mit der Langeweile, mit der Einsamkeit, mit der Isolation, mit dem Gefühl des Eingesperrtseins...

 

Es wird nicht gerne darüber gesprochen - denn Probleme dieser Art werden von vielen als "Schwäche" gesehen. Doch wer die Bedingungen auf See nicht kennt, kann sich nicht vorstellen wie es ist, an Bord eines Schiffes zu leben und zu arbeiten; kann sich nicht hineinversetzen in die Isolation, in die Bedrängnis, in die Einsamkeit in der Masse, in die mangelnde Privatsphäre, in die Stille und Abgeschlossenheit hinter geschlossenen Kammertüren...

 

Umso wichtiger ist es, dass wir diesen Dingen auf den Grund gehen, um zu verstehen, wieso Seeleute so und nicht anders reagieren. Wieso sie anders "ticken" als Menschen an Land.

 

Ein Seemannspastor aus Bremerhaven berichtete mir vor einigen Jahren, dass es für viele Seeleute sehr schwer sei sich an Land zurecht zu finden, da die Gepflogenheiten an Land völlig anders seien als an Bord. An Bord beispielsweise eines Handelsschiffes gäbe es geregelte Abläufe, der Tag sei in Wachen eingeteilt, die sklavisch zu befolgen seien, um die Sicherheit an Bord - gemeint ist damit die Sicherheit der Besatzung und somit auch dem Schiff und der Ladung niemals zu schaden.  Sobald diese Menschen, die jahrelang auf Schiffen beheimatet gewesen seien nun - aus altersgründen oder wegen langer Krankheit und/oder Arbeitslosigkeit an Land verbannt würden, verlören manche von ihnen völlig die Orientierung. Bankgeschäfte, Versicherungen, eine Wohnung mieten, regelmäßig einkaufen, kochen und putzen....das sei ihnen fremd, da es an Bord ein geregeltes Leben gegeben habe, an das sie sich sehr stark gewöhnt hätten.

 

Zumindest in Deutschland gibt es dafür Seemannspastoren, die sich der Ängste, Sorgen und Nöte dieser Seeleute annähmen, sofern die Betroffenen dies zulassen. Denn sie müssen zunächst über ihren eigenen Schatten springen und angebotene Hilfe annehmen - zumindest erst nach ihr suchen.

 

Gute Hilfestellung bieten hier auch die Seemannsheime, die zumeist eine sichere Anlaufstelle für Seeleute aller Nationen bieten. Hier wird Hilfestellung bei so scheinbar banalen Dingen gegeben wie die den Kauf von Telefonkarten, damit Seeleute - wie zum Beispiel Phillipponos, die zumeist in den Mann-schaftsgraden der Handelsschiffahrts tätig sind - ihre Familien in den Heimat-ländern anrufen können. Dies funktioniert nur in den Häfen, da es auf See keine Telefonverbindung an Land gibt - außer die teuere Satellitentelefon-anlage, die jedoch nicht für private Zwecke genutzt werden darf.

 

Doch gibt es auch fröhliche Dinge, die mit der Sozialgeschichte der Schifffahrt zu tun haben. So gibt es zum Beispiel den heute kaum noch angewendeten Brauch der "Äquatortaufe", der früher - in den 50er - 70er Jahren noch sehr populär war.

 

Satu Panzner

CUAUHTEMOC - mexikanisches Segelschulschiff

CUAUHTEMOC - mexikanisches Segelschulschiff Baujahr 1982 - Foto: Albrecht Stender

Haben Sie sich jemals gefragt, wie es an Bord von Segelschulschiffen aussieht - wie die Kadetten / Offiziersanwärter und andere Menschen an Bord Leben und arbeiten? Natürlich gibt es den einen oder anderen Bildband der berühmten GORCH FOCK, die in den letzten Jahren eher wegen negativer Schlagzeilen in den Medien war. Doch so richtig reinsehen konnte man nicht in die Schiffe, da sie für Zivilisten nicht zugänglich sind.

 

Unser DGSM-Mitglied, Albrecht Stender, hatte die seltene Gelegenheit, das kürzlich in Hamburg liegende Segelschulschiff GUAUHTEMOC zu besuchen und exklusive Fotos machen zu können, die er uns freundlicherweise mit einigen freundlichen Anmerkungen zur Verfügung gestellt hat. Gerne möchten wir Ihnen dieses schöne Schiff und sein Innenleben hier gerne vorstellen.

 

Die GUAUHTEMOC wurde 1982 in Bilbao gebaut und ist das letzte von drei Schwersterschiffen, die da sind:

 

GLORIA (Columbien) und SIMON BOLIVAR (Venezuela). Der Entwurf für diese Schiffe basiert auf dem der GORCH FOCK, mit dem Unterschied, dass die CUAUHTEMOC 1,18 m länger ist als die deutsche GORCH FOCK.

 

GUAUHTEMOC bedeutet in der Aztekensprache "landender Adler" - ein bezeichnender Name mit hohem Symbolwert.

 

Satu Panzner

 

 

 

Schornstein zwischen Groß- und Besanmast, vor Ruderhaus - Foto: Albrecht Stender

Im Unterschied zur GORCH FOCK schlafen die Kadetten der GUAUHTEMOC in Kojen und nicht in Hängematten. Der Kommandant der GORCH FOCK hat seine "Suite" achtern dort, wo bei der CUAUHTEMOC die Präsidentensuite ist.

Der Kommandant der CUAUHTEMOC hat seine Kammer auf der Backbordseite vor dem Präsidenten-Schlafraum und gegenüber der Offiziersmesse.

Der Kommandant ist, wie bei der GORCH FOCK ein Kapitän zur See, allerdings ist der 1. Offizier ebenfalls Kapitän zur See.

Bei der mexikanischen Marine ist es so geregelt, dass der 1. Offizier nach 2 Jahren Kommandant wird und zwei Jahre als Kommandant das Schiff führt. Die Standzeiten der Kommandanten der GORCH FOCK sind doppelt so lang.

 

Albrecht Stender

Wohnzimmer der Präsidenten Suite - Foto: Albrecht Stender
Aufenthaltsraum und Messe der Kadetten - Foto: Albrecht Stender
Unterrichtsraum der Kadetten neben der Messe - Foto: Albrecht Stender
Fregattenkapitän Carlos Gorraez im Speisezimmer der Präsidenten Suite - Foto: Albrecht Stender
Heckansicht der GUAUHTEMOC - Foto: Albrecht Stender

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